Lügde, die Fahrradstadt im Lipperland [Update 2]

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Nasenfahrrad

„Lügde, die Stadt der Osterräder“, „Lügde, die Stadt der Zigarren“ und nun „Lügde, die Fahrradstadt im Lipperland“ – ja, was denn jetzt? Gemach, gemach!

Vor ein paar Tagen entdeckte ich zufällig die Website: „radsportfreunde-luegde.de“. Für die, die es noch nicht wissen, ich bin schon mit einem Fahrrad auf die Welt gekommen. Wie dem auch sei, während ich mich in dem Webangebot umsah, gingen mir einige Gedanken durch den Kopf (das soll selbst bei mir vorkommen):

Merkwürdig, es gibt so viele Leutchens, die mit dem Rennrad oder mit dem Mountainbike Sport treiben. Aber wenn ich mich so umschaue, gibt es im Verhältnis dazu nur wenige Menschen, die ein Fahrrad als Fortbewegungsmittel im Alltag nutzen. In Lügde sind das, wie ich, meistens ältere Leutchens. Und ich habe den Eindruck, dass sogar Jugendliche, also die, die noch keinen Moped- oder Auto-Führerschein haben, weniger oft auf das Fahrrad zurückgreifen als früher.

Ich grübelte weiter:

Mich würde mal interessieren, wie viele Ergometer, Stepper und dergleichen vor ein paar Tagen unter den Weihnachtsbäumen gestanden sind. Kürzlich unterhielt ich mich mit jemanden, der sich so´n Strampler zu Weihnachten gewünscht hat. Ich fragte ihn, warum er nicht stattdessen ein Tourenfahrrad nutzen möchte. Frische Luft, gut und schön, aber wenn es regnet, schneit, windet, dunkel wird und so weiter, sei so ein Ergometer doch die bessere Alternative, meinte er. (Jaha, das Wetter kann richtig ungezogen sein.) »Aber mit jeder Tour, die du mit dem Radel anstatt mit dem Auto fährst, würdest du einen tollen Beitrag für den Erhalt unseres Klimas leisten«, versuchte ich zu überzeugen. Aber auch mit dem Argument bin ich bei ihm nicht durchgedrungen.

Manchmal machen Gedanken ja Sprünge, da würde sich so mancher Weit- oder Hochspringer die Zehen nach ablecken. Seit Tagen suche ich nach einem neuen Motto, einem neuen Wahlspruch, einem Slogan für Lügde. Und just daran erinnerte ich mich plötzlich. Doch der Reihe nach:

»Aber Lügde ist doch die Stadt der Osterräder!«, insistierte kürzlich ein Bekannter, dem ich vorsichtig versucht hatte nahezulegen, den Slogan „Lügde, die Stadt der Osterräder“ nicht inflationär zu verwenden. Dazu hatte ich ihm mehrere Argumente aufgezählt. »Die Osterräder haben an nur einem einzigen Tag im Jahr ihren großen Auftritt, am Ostersonntag. Wenn wir aber den Eindruck vermitteln, dass der Osterräderlauf das ist, was Lügde ausmacht, dann reduzieren wir Lügde auf einen von dreihundertfünfundsechzig Tagen. Oder anders ausgedrückt: An 364 Tagen findet Lügde nicht statt«, war eines der Argumente, die ich ihm nannte. »Lügde ist und hat doch mehr. Wir sollten nach einem Wahlspruch suchen, der über 365 Tage im Jahr gültig ist«, schlug ich vor.

Notabene: Ich möchte hier keineswegs den Lügder Osterräderlauf diskreditieren. Der Osterräderlauf ist zweifellos eines der Highlights in Lügde. Aber auf seine Essenz eingedampft, dauert er maximal 90 Minuten.

Das ist der Grund, weshalb ich seit ein, zwei Wochen nach einem Slogan suche, der das ganze Jahr kennzeichnend für Lügde ist. Als mir nun das Webangebot „radsportfreunde-luegde.de“ durch die „Speichen“ meines Nasenfahrrades hupfte, fragte ich mich, nach dem ich die oben geschilderten gedanklichen Windungen abgearbeitet hatte:

Wie wäre es mit dem Wahlspruch: „Lügde, die Fahrradstadt im Lipperland“?

Jener Bekannte, der partout auf den Slogan „Lügde, die Stadt der Osterräder“ beharrte, ist auch leidenschaftlicher Fahrradfahrer. Dann wären wir, mit dem Macher von radsportfreunde-luegde.de, schon mal zu Dritt…

Das interessante an dem Slogan „Lügde, die Fahrradstadt im Lipperland“ ist: Lügde ist keine Fahrradstadt – noch nicht. Im Gegensatz zu den Slogans anderer Städte würde dieser Slogan weder die Vergangenheit noch die Gegenwart aufgreifen – er würde zunächst ein Ziel sein, eine Art Leitbild: Wir wollen die Fahrradstadt im Lipperland werden.

Die „Unter“-Ziele dieses Leitbildes können gleichzeitig als „Unter“-Slogans fungieren. Beispielsweise: „Lügder helfen, dass sich unser Klima nicht weiter verschlechtert“ und „Lügder tun etwas für ihre Gesundheit“.

Aber Volker, Lügde ist von Bergen umgeben. Wir haben hier kein Flachland wie die Fahrradstadt Münster, wird eines der Gegenargumente sein, die ich mit Sicherheit zu hören bekomme. Ja, wir haben hier Berge. Aber das ist eben die Herausforderung. Wer sagt denn, dass man Ziele nur mit einem Fingerschnipp erreichen können muss?

Außerdem muss man nicht gleich den Köterberg oder den Kailash hinaufstrampeln können. Wir könnten damit beginnen, das Fahrrad so viel wie möglich im Alltag als Fortbewegungsmittel zu nutzen. Es ist bestimmt nicht immer notwendig, um aus der zwei Kilometer entfernten Bäckerei Brötchen zu holen, mit dem Auto zu fahren.

Auf diese Weise können wir sogar unsere Haushaltskassen entlasten: Wenn ich an 40 Sonntagen die zwei Kilometer zum Bäcker mit dem Fahrrad fahre, sind das (Moment, ich muss rechnen… 40 x 2 x 2 =) 160 Kilometer (richtig?). Das ist doch schon etwas: In einem Jahr Kraftstoff für 160 Kilometer eingespart, nur weil ich die Brötchen jetzt mit dem Fahrrad hole.

Ich glaube auch, dass sich der Tourismus damit beleben lassen würde: „Wir Lügder stehen zu unseren Bergen, radeln Sie mit uns!“ Denn es gibt reichlich Fahrradfahrer in flachen Gegenden, die gern mal ein paar Berge mit dem Fahrrad erklimmen würden. Dafür muss man nicht gleich in die Alpen fahren. Und wenn doch, dann können die Lügder Berge halt als Trainingslager dienen.

Einen habe ich noch:

Wir lieben Räder! An 364 Tagen im Jahr unsere Fahrräder, und am Osterrsonntag unsere Osterräder.

Update: Apropos „die Summe würdigen“: Der Osterräderlauf ist eine Veranstaltung, die in der Kernstadt von Lügde stattfindet. Für die Ortsteile von Lügde ist der Osterräderlauf daher nur mittelbar kennzeichnend. Der Slogan „Lügde, die Fahrradstadt im Lipperland“ würde dagegen für alle Ortsteile stehen. Denn auch dort gibt es viele, schöne Wege für Radtouren.

Update 12.1.2012: Und da sage noch einer, in solchen hügeligen Landschaften mag keiner Fahrradfahren. Andreas hat schon mal vorgefühlt, und Interesse angemeldet.