Hochglanzbroschüre, CD oder Internet?

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Vor ein paar Wochen zeigte mir jemand eine Hochglanzbroschüre. Das Heft beinhaltet hauptsächlich Fotos von einer großen, dreitägigen, öffentlichen Veranstaltung. Der Inhalt wirkt wie eine Art Fotoalbum. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die Broschüre als kleiner Dank für die Hauptakteure der Veranstaltung gedacht. Eine nette Geste, dachte ich. Aber hätte man das nicht auch anders umsetzen können?

Ein anderes Beispiel: »Ich möchte allen, die an dem Projekt mitgewirkt haben, eine CD mit Fotos von dem Projekt schenken. Kannst du mir dafür Fotos aus deinem Fundus geben?«, wurde ich kürzlich gefragt. Wieder ging mir die Frage durch den Kopf: Eine schöne Idee, aber warum muss es eine CD sein?

Gibt es eine Alternative zur Hochglanzbroschüre oder zur CD? Und wenn ja: Warum?

Vorweg: Ich möchte mit meinen Ausführungen hier nicht die wirklich gute Aktion, Akteuren mit einem Geschenk für ihr Engagement zu danken, schmälern. Ich möchte aufzeigen, wie ich das umgesetzt hätte. Und vor allem möchte ich erklären, warum ich es anders gemacht hätte.

Welche Alternative gibt es? Wie hätte ich das umgesetzt?

In beiden Fällen hätte ich das über ein Webangebot realisiert. Beides waren Ereignisse, die zum allergrößten Teil öffentlich stattgefunden haben. Außerdem verfügen die Initiatoren der jeweiligen Ereignisse über Webangebote, die man dafür hätte nutzen können.

Doch sowohl für die dreitätige Veranstaltung, als auch für das Projekt hätte man auch ein eigenes Webangebot erstellen können. Ein Beispiel für ein solches separates Angebot ist die Website gemeinsamfeiern.lippeblogs.de, in der über das Jubiläumsfest der beiden Städte Bad Pyrmont und Lügde berichtet wird. Ein weiteres Beispiel ist die Fotodokumentation über den Bau der Umgehungsstraße in Lügde (siehe unten unter Punkt 2).

Warum hätte man in beiden Fällen auch das Internet für die Umsetzung nutzen können?

Ich denke, wenn es sich um Ereignisse handelt die unter den Augen der Öffentlichkeit stattgefunden haben, kann man sich auch öffentlich bedanken. Bei dem Jubiläumsfest zum Beispiel, ist das so gemacht worden (siehe hier, hier und hier).

Selbstverständlich kann und sollte man sich auch noch persönlich bei den Akteuren bedanken. Aber wenn man den Dank mit Erinnerungsfotos von den Ereignissen ergänzen möchte, lässt sich das in einem Webangebot meines Erachtens zeitgemäßer realisieren.

Es reicht ein einziges Medium um alle Fotos zusammenzustellen: Eine eigene Website, oder, in der kleineren Variante: ein Artikel in einer Website. Das spart Ressourcen. Dafür müssen keine Hochglanzbroschüren in großer Auflage gedruckt werden. Dafür müssen keine CD´s gebrannt werden. Und auch Platzprobleme, die sich zumindest bei einer Hochglanzbroschüre ergeben könnten, bestehen im Netz weit weniger.

Nebenbei: Ich konnte es mir nicht verkneifen: Das Foto oben, über diesen Artikel ist ein Anspielung auf das Argument. Um Fotos zu zeigen, muss ich keine Bäume für´s Papier fällen.

In dem Zusammenhang: Wer kennt das nicht, das lästige Suchen nach einem Heft, einem Buch, einer CD? Im Netz dagegen lassen sich Texte und Fotos oft wesentlich schneller wiederfinden. Außerdem belegen sie dort keinen Platz in meinen Regalen oder Schubladen.

Warum lohnt es sich, von Beginn an laufend zu dokumentieren?

Soweit ich das recherchieren konnte, sind in beiden oben geschilderten Fällen die Ereignisse von den Machern, also von denen, die sich bei Ihren Helfern bedanken wollen, nicht oder nur Ansatzweise in deren Webangeboten dokumentiert worden. Soll heißen: Weder die Veranstaltung noch das Bauprojekt ist mit Informationen und Bildern während der Veranstaltung beziehungsweise während der Bauphase von den Machern auf ihrer hauseigenen Website begleitet worden. Das ist schade.

Denn wenn man sich nun mit Informationen und Fotos bedanken will, steht man zunächst vor dem Nichts. Das heißt, man beginnt Texte und Fotos zu suchen und zusammenzukramen. Leichter wäre es gewesen, die Veranstaltung beziehungsweise das Projekt von Anfang an auf der Website zu dokumentieren. Das wären dann kleinere und leichter zu handhabende Portionen gewesen, auf die man am Schluss, beim großen Dank, ganz einfach hätte verweisen können.

In der Hochglanzbroschüre sind beispielsweise kaum Erklärungen zu den Fotos zu finden: In welchem Zusammenhang sind die jeweiligen Fotos entstanden?, Wann und wo sind die einzelnen Bilder fotografiert worden?, und so weiter. Vermutlich werden selbst die Beteiligten in ein paar Jahren die Fragen nicht mehr hundertprozentig beantworten können. Ob es auf der Foto-CD Infos zu den jeweiligen Fotos geben wird, und wenn ja, wie, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können.

Die Lokalzeitungen dagegen haben mehr oder weniger regelmäßig über die Ereignisse – sowohl über die dreitägige Veranstaltung, als auch über das Bauprojekt – berichtet. Aber immer wieder höre ich, wie sich Organisatoren von Veranstaltungen oder Projekten beschweren, dass in dem einen oder anderen Zeitungsartikel nicht korrekt berichtet wurde. Auch zum „Fall Hochglanzbroschüre“ ist mir von so einem fehlerhaften Artikel berichtet worden.

So drastisch das klingt, ich kann dazu nur sagen: Selbst schuld! Denn die Organisatoren, die Macher von Veranstaltungen und Projekten haben es doch selbst in der Hand: Sie haben die Informationshoheit, sie wissen von allen Details – und sie haben mit dem Internet die Möglichkeit, diese Informationen jederzeit darzulegen, zu streuen. Daher an dieser Stelle noch mal mein Tipp: Selber dokumentieren, selber informieren, selber berichten – und zwar von Beginn an, laufend, währenddessen, nicht erst wenn schon alles abgefrühstückt ist (siehe auch unten, Punkt 1).

Mit „von Beginn an“ meine ich, das sogar die Idee schon thematisiert werden könnte: Wir haben da so eine Idee…, wir könnten doch…, dafür müssten wir… Selbstverständlich gehört zum „Beginn“ auch die Vorbereitungsphase: Toll, heute haben wir die Zusage von der Band XYZ erhalten…, die wird dann und dann spielen… Oder: Jetzt haben wir die Zuschüsse für die Maßnahme blablabla bewilligt bekommen…, wir werden nun das und das, und zwar so bauen können…

Ich bin ein bisschen vom Thema abgekommen…

Doch weiter im Text: Eine Hochglanzbroschüre, eine CD oder Zeitungsartikel kann ich meiner Tante Frieda in Australien nicht mal eben zeigen. Aber meine Website, die kann sie sich Down Under jederzeit ansehen.

Soheit klar. Aber versetzen wir uns auch noch in die Lage derjenigen, bei denen sich die Macher bedanken möchten. Sie können ganz einfach jedem, jederzeit zeigen: Schaut her, an dieser tollen Sache waren wir beteiligt, haben wir mitgemacht. Für Firmen, die bei dem Projekt mitgewirkt haben, besteht die Möglichkeit, den Artikel oder die Projektseite in ihrer Referenzliste zu verlinken.

Noch ein Punkt, der manchmal übersehen wird: Urheberrechte. Der Hochglanzbroschüre kann ich dazu nichts entnehmen. Wie das bei der CD geregelt wird, ist mir nicht bekannt. Aber wenn ich zu der CD Fotos beisteuern würde, wollte ich das geregelt wissen. Denn ich will nicht, das später eine Firma mit meinen privaten Fotos Werbung macht, ohne sich darüber zuvor mit mir geeinigt zu haben.

Selbstverständlich ist das Internet kein rechtsfreier Raum. Auch das Thema „Fotos und Recht“ ist sehr umfangreich. Das Urheberrecht, das Recht am eigenen Bild – all das muss – nicht nur im Internet – beachtet werden. Eine gute Informationsquelle zu diesem Themenkomplex ist das Webangebot rechtambild.de.

Übrigens: Bei Lippeblogs lässt sich gut ersehen, welche Nutzungsrechte zu den Fotos vergeben wurde. Hier zum Beispiel die Nutzungsrechte zum Titelfoto dieses Artikels.

Ein weiterer Vorteil der von mir favorisierten „Internetlösung“ ist die Möglichkeit der Verlinkung. Ich halte Hyperlinks für eine der besten Funktionen des Internets. Konkret: Nahezu über jede öffentliche Veranstaltung oder über jedes öffentliche Projekt ist heutzutage im Netz etwas zu finden – sei es in Blogs, in Foto- oder in Videoportalen. All diese Texte, Fotos und Videos lassen sich – unter Beachtung der bestehenden Rechte – mit Links zusammenziehen, verknüpfen (hier ein kleines Beispiel aus dem Webangebot gemeinsamfeiern.lippeblogs.de, siehe auch unten, Punkt 3). Größter Sinn und Zweck der Links im vorliegenden Fall also wäre: Nicht nur wir haben Fotos von der Veranstaltung, von dem Projekt – besuchen sie auch mal die Website von X und Y.

Zum Schluss noch ein Argument, dass ich nur kurz erwähne: Die „Archiv-Funktion“. Die digitale Archiv-Funktion halte ich für ein sehr wichtiges Argument. Daher werde ich in einem separaten Artikel besonders darauf eingehen. Update 26.12.2011: Den entsprechenden Artikel habe ich zwischenzeitlich geschrieben: „Warum es sich lohnt, im Netz zeitnah zu dokumentieren“.


(1) Die Vorteile von „Dokumentieren von Beginn an“ habe ich bereits in mehreren Artikel thematisiert. Hier eine kleine Auswahl:

(2) Auch den Bau der Umgehungsstraße in Lügde haben wir mit vielen Fotos dokumentiert. Diese kleine Dokumentation war lange Zeit eine der meistbesuchten Seiten des Webangebotes luegde.de. Leider sind die Anfangs- und die Schlussphase darin nicht erfasst worden. Trotzdem ist das Fotoalbum ein schönes Beispiel aus dem digitalem Archiv von Lügde.

(3) Die Seite „Der Bau der Umgehungsstraße in Lügde, eine Zusammenfassung“ zeigt übrigens, wie mit Links Informationen aus einem Sammelsurium von Artikeln und Fotos zusammengeführt werden können.