Extrem laut und unglaublich nah

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Nicht immer ist er leicht zu finden – der Griff, mit der sich die Tür öffnen lässt…

Der Roman zählt zu den Besten, die ich in den vergangen drei, vier Jahren gelesen habe: „Extrem laut und unglaublich nah“ von Jonathan Safran Foer.

Protagonist des Romans ist der neunjährige Oskar Schell, Erfinder, Schmuckdesigner, Goldschmied, Amateur-Entomologe, Frankophiler, Verganer, Origamist, Pazifist, Percussionist, Amateur-Astronom, Computer-Spezialist, Amateur-Archäologe… alles nachzulesen auf seiner Visitenkarte.

Was Oskar nicht schon weiß, erschließt er sich im Internet – egal ob Francis Scott Key Fitzgerald, Mustang-Kabrio, Walter Cronkite, Knutschen, Schweinebucht, LP, Datsun, Griebenschmalz, Ayatollah Khomeini, Apartheid, Hula-Hula, Osttimor, Rechenschieber, Grace Kelly oder der Spanische Bürgerkrieg.

Versteht sich von selbst, dass ein solches Universalgenie sogar mit Stephen Hawking in Kontakt steht. In Shakespeare´s Hamlet soll er den Yorick spielen und schlägt vor, statt einen Schädel aus Pappmaché auf dem Kopf zu tragen, einen Unsichtbarkeitsanzug zu erfinden. Seine Idee: Eine Kamera auf dem Rücken soll alles was hinter ihm ist filmen und das Bild auf einen Plasma-Bildschirm übertragen, den er vor dem Bauch trägt und alles außer seinem Gesicht bedeckt…

Oskars Schöpfergeist ist allgegenwärtig:

[…] Was das Armband angeht, das Mom bei der Beerdigung trug, so hatte ich Dads letzte Nachricht in Morsecode übertragen. Für die Pausen benutzte ich himmelblaue Perlen, lila Perlen für die Abstände zwischen den Buchstaben, und zwischen die Perlen flocht ich lange und kurze Bänder, die die Langen und kurzen Piepse darstellten, die eigentlich Blips heißen, glaube ich, jedenfalls so ähnlich […]

Die Nachricht die sein Dad auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hat, ist dessen letztes Lebenszeichen aus dem World Trade Center. Jonathan Safran Foer lässt in seinem Roman einen Jungen erzählen, der den Tod seines Vaters an jenem 11. September 2001 verwinden muss…

Ich kann diesen facettenreichen Roman nur empfehlen.

Außergewöhnlich an dem Buch ist auch die frappante, dennoch nicht überbordend wirkende Gestaltung: Fotos, meistens unscharf, die scheinbar bedeutungslos und wie zufällig hineingestreut wirken, und unkonventionelle typografische Stilmittel, bestärken die von der Geschichte ausgehende Atmosphäre.

Update 29.9.2011:

Das Buch ist jetzt offensichtlich verfilmt worden. Hier der Link zum Trailer unter youtube.com.