Dr. Siri sieht Gespenster

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 2 Minuten

Laos, Vientiane 1977. Ein alter Kragenbär ist nicht mehr in seinem Käfig. Nur wenige Seiten danach liegen schon die ersten Leichen auf dem Tisch vor Dr. Siri, dem zweiundsiebzigjährigen Pathologen, und seiner Crew, bestehend aus der übergewichtigen, resoluten Schwester Dtui, und Herrn Geung, einem „Künstler im Umgang mit der Knochensäge“.

Dr. Siri sieht Gespenster“ ist, wie vermutlich jeder erraten hat, ein Roman. Ich war etwas skeptisch, als ich mir den Kriminalroman von Colin Cotterill bestellt habe. Erstens bin ich eigentlich kein Fan von diesem Genre, und zweitens wirkt der Titel des Buches leicht infantil. Überzeugt hat mich nicht unbedingt die Rezension zu dem Buch, die ich zufällig in einer Zeitung entdeckt habe. Interessiert hat mich, wie ich ein Buch bewerten würde, dass von dem, mir von vielen anderen Artikeln bekannten Rezensent, derart positiv präsentiert worden ist.

Es hat Spass gemacht das Buch zu lesen. Schon die Orte des Geschehens sind ungewöhnlich: Vientiane und Luang Prabang in Laos, am Mekong, nahe der Grenze zu Thailand. Und ohne dabei auszuschweifen gelingt es dem Autor, dem Leser einen kleinen Eindruck von dem Land, der Geschichte, den politischen Veränderungen, den klimatischen Verhältnissen, und natürlich vom Leben der Menschen dort zu vermitteln.

Obwohl es dem Roman nicht an spannenden Passagen fehlt, werden eingefleischte Krimi-Fans hier vermutlich nicht auf ihre Kosten kommen. „Dr. Siri sieht Gespenster“ ist ein Kriminalroman der gänzlich ohne Helden auskommt – obgleich es ihm an Kriminalbeamten nicht fehlt, auch nicht an Zirkusartisten, Kommunisten und Schamanen. Außerdem, wie Buddha, hat Dr. Siri dreiunddreißig Zähne. Was schließlich darauf hindeutet: Dr. Siri ist als eine Art Brücke zur Geisterwelt geboren. An Humor fehlt es dem Roman sicherlich nicht.

Hatte ich schon gesagt, dass Dr. Siri von Yeh Ming, dem Urahn aller Schamanen bewohnt wird?