Der Plagiator 2 – Tag der Abrechnung

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Die Arbeit als Geisterschreiber ist zeitaufwendig und lästig. Daher bin ich froh, dass wenigstens die, in deren Namen ich manchmal texte, meine Werke zu schätzen wissen. Denn im Gegensatz zu anderen Zeitgenossen habe ich meine Texte noch nie aus geklauten Sprachbausteinen zusammengeklebt.

Das spürt Mann. Meine Schöpfungen begeistern, berühren – habe Verve. Zum Bersten gefüllte Worthülsen, Kraft, Poesie, Empathie und was sonst noch so im Gewürzregal rumsteht – alles vermag ich zu komponieren – zu einem unwiderstehlichen, individuellen Duft! Nein Text. Ich bin quasi der Grenouille der Ghostwriter.

Doch das ist seit heute Vergangenheit. Ich war es leid, meine Kreationen im Nachhinein in zu kleine Flakons hineinzupressen. Es zerbrach mir jedes Mal das Herz, einen Text zu kürzen, wenn mir mal wieder ein Kunstbanause nicht genügend Platz auf dem Totholz, dem bedauernswerten, einräumen wollte.

Heute war der Tag der Abrechnung. Wieder hatte so ein Dilettant darauf bestanden, dass ich ein Kunstwerk eindampfen sollte. Ich sagte mir: Wer meine kulinarischen Opera nicht zu schätzen weiß, bekommt ab jetzt nur noch Ravioli aus der Dose. Der Totholzbestücker freute sich, ob des neuen, passgenauen Textes. Was er nicht weiß ist, dass ich mich dafür – wie gesagt: erstmalig – eines Wälzers mit Musterreden bedient habe.

Zehn Minuten hat es gedauert, und das Plagiat war fertig. Aber ich sage Euch: Nur wer Dosenravioli mag, bekommt bei solchen Texten keine Verdauungsprobleme.