Das habe ich nicht hinterfragt

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Manchmal erzeugen sie „nur“ ein gutes Gefühl. Und weil man ein gutes Gefühl hat, gleitet man zufrieden darüber hinweg und denkt oft nicht weiter darüber nach. Ich meine Texte, die leicht zu lesen und gut zu verstehen sind.

In Behördendeutsch verfasste Texte sind, fragt man seine Mitmenschen konkret danach, bei vielen unbeliebt. Solche Texte frustrieren, bekomme ich dann häufig zu hören.

Für mich ist es ein Phänomen, dass viele Mitmenschen, auch nachdem sie festgestellt haben wie blöd und ärgerlich das Behördendeutsch doch ist, ihre Texte weiterhin in dem Stil abfassen.

Das ist mir in Fleisch und Blut übergangen, erklärten mir einige meiner Artgenossen, die Behördenmenschen, oder sie antworteten mir: Das macht man doch so. Hin und wieder kommt auch die Gegenfrage: Wie sollte ich denn sonst schreiben?

Wer sagt, dass Behördendeutsch Pflicht ist? Und: Wenn das Behördendeutsch bei den meisten Lesern auf Unmut stößt, warum sollte ich absichtlich meine Leser frustrieren?

Merkwürdig aber ist für mich, dass auch Nicht-Behördenmenschen für ihre Briefe auffallend oft die Behördensprache verwenden (siehe auch „Multilingualismus“). Ich kann mir vorstellen, dass das einigen von ihnen viel Mühe gekostet hat, so zu schreiben. Aber warum machen sie sich die Arbeit? Glauben sie, Behördenmenschen verstehen nur Behördendeutsch? Klingt Behördendeutsch wichtiger? Meinen sie, dass ein normal geschriebener Text zu wenig anspruchsvoll ist?

Komisch, komisch – es scheint sie kaum jemand zu mögen, aber trotzdem ist sie beliebt.

Auch mein Artikel „Das heißt Kindergarten!“ passt zu diesem Rätsel. Niemand konnte mir bislang erklären, warum aus dem kurzen, sympathischen Begriff „Kindergarten“ ein so technokratisch klingendes Konstrukt wie „Kindertagesstätte“ oder „Kindertageseinrichtung” gemacht wurde.

Nebenbei: Meine Aussage der Woche lautet: Das habe ich nicht hinterfragt. Diese Antwort bekam ich in einem völlig anderen Zusammenhang, aber irgendwie passt sie auch hierher.