Wovor haben sie Angst?

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Eine Buddha-Statue, im Hintergrund viele
Pflanzen.

»Ich wusste gar nicht, dass du ein Fußballfan bist.« »Was? Ich verstehe dich nicht!« Kann ich mir vorstellen, dachte ich, bei dem Gebrassel. Sie stand mit dem Rücken zu mir und bereitete das Essen vor. Ich wiederholte meine Vermutung etwas lauter. »Nein, bin ich nicht. Ich habe das Radio wegen der Musik angemacht. Aber jetzt laufen halt die Fußballnachrichten.« – »Können wir auch ohne Radiogekrächze deinen schönen Garten am Waldrand genießen?«, fragte ich sie später, als wir beim Essen zusammen saßen.

Sonntagmorgen, herrliches Wetter, ich gehe auf den Balkon um die Pflanzen zu gießen. In den Gärten meiner Nachbarn ist niemand zu sehen. Dennoch höre ich, dass in mindestens zwei Gärten ein Radio läuft. Ich frage mich: Für wen?

Klar, morgens nach dem Aufstehen schalte ich sofort das Radio ein, ist mir schon oft erzählt worden. Für andere muss dann der Fernseher dudeln.

Wie oft schon habe ich beim Joggen im Wald andere Läufer getroffen, die sich dabei via Minikopfhörer Musik in die Gehörgänge „träufeln“ ließen.

Wenn ich mir bewusst mache, mit wie vielen unterschiedlichen Lärmquellen wir es tagtäglich zu tun haben, ist es mir ein Rätsel, warum so viele Menschen geradezu süchtig nach selbstbestimmter auditiver „Berieselung“ sind, weshalb sie nicht mal dann ein paar Minuten ohne auskommen können, wenn sich die Möglichkeit bietet. Wovor haben sie Angst?