Wie sehen Lehrer aus?

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»Und, was machst du so?« »Was glaubst du? Wie sehe ich denn aus?« Wenn mich Leute nach meinen Beruf fragen, lasse ich sie gern mal raten. Bis vor einigen Jahren lautete die Antwort des Öfteren: »Wie ein Lehrer.« Merke: Lehrer sehen so aus wie ich – in jungen Jahren.

Neuerdings werde ich immer häufiger für einen Pressemenschen gehalten. Es gibt, wie ich festgestellt habe, offensichtliche Attribute, mit denen die meisten Menschen nur den Beruf in Verbindung bringen (siehe auch: Eigenartig sind sie schon, Beispiel Nummer 2).

Aber darauf will ich nicht hinaus. Ich fragte mich kürzlich, wieso Pressemenschen, oder Leute die dafür gehalten werden, derartig hofiert werden. Und ich fragte mich, was passiert mit den Leuten, die dauernd so behandelt werden.

Zur Veranschaulichung versuche ich mal eine Szene zu beschreiben, die sich vor ein paar Tagen zugetragen hat:

Ich komme zu einer Veranstaltung und möchte Fotos machen. Nur ein, zwei Leute treffe ich, die mir bekannt sind. Der Chef des „Events“, der mir aus Zeitungsberichten bekannt ist, geht an mir vorbei, stockt, lächelt höflich wie auf Kommando und grüßt mich. Naja, das ist ein netter Gastgeber, könnte man meinen. Aber irgendwie hatte ich den Eindruck, mich hat er anders, schon fast ehrfurchtsvoll gegrüßt.

Später, ich habe mich auf einem mir angemessen erscheinenden „Hochsitz“ zum Foto-Schießen positioniert, kommt er wieder, der Nette. Er möchte sich zu mir setzen und fragt: »Darf ich ihnen einen Kaffee anbieten?« Warum fragt er mich, und nicht die anderen ringsherum? »Könnte es sein, dass sie mich für einen Vertreter der Presse halten?« Seine Mimik bejaht die Frage. »Ich bin nicht von der Presse.« Überraschung und Enttäuschung sind in seinem Gesichtsausdruck zu lesen. Er wendet sich zum Gehen, stockt wieder, dreht sich um und sagt: »Ich würde ihnen trotzdem gern einen Kaffee anbieten.«

Keine Frage, der Guteste wollte seinen Job machen. Unter seiner Federführung wurde eine Veranstaltung organisiert und die hätte er gern auch gut publiziert gehabt. Damit bin ich bei meiner ersten Frage: „Warum werden die so hofiert?“ Muss man sich den Presseleuten wirklich so anbiedern? Aus welchem Grund ist das so oft zu beobachten?

Bevor ich die Fragen zu beantworten versuche, will ich kurz noch schildern wie sich das als vermeintlicher Mensch von der Presse anfühlt – kurz gesagt: klebrig. Es ist schön mal zu erleben, höflich und respektvoll behandelt zu werden, aber diese übertriebene Form der „Ehrerbietung“ muss es nun wirklich nicht sein. Was würde aus meiner guten Kinderstube, wenn man mir dauernd so begegnen würde? Nichts Gutes, befürchte ich.

Jetzt zur Frage: Warum werden die Mädels und Jungs von der Presse bevorzugt behandelt? Vermutlich liegt das an diesen Thesen: Was in der Zeitung steht stimmt. Wer in der Zeitung erwähnt wird, ist wichtig. Nur die Zeitung kann Informationen sehr weit verbreiten. Und aus den Gründen ist es gut, sich die Leute von der Presse „warm zu halten“.

Gut, wenn man fest daran glaubt, treffen die dritte und vierte These zumindest zu. Ein bisschen hat das dann mit self-fulfilling prophecy zu tun.

Wie ich später erfahren habe, ist die besagte Veranstaltung von keinem Vertreter der Lokalpresse besucht worden. Wieder einmal stellte ich mir die Fragen: Warum hat der Pressesprecher des Vereins keine Fotos geschossen? Warum hat er keinen knackigen Text geschrieben und beides noch am gleichen Tag auf die Website des Vereins gestellt? Wer hat denn in dem Fall die Hoheit über die Fakten?

Eine Vereins-Website, die mit brandaktuellen, spannenden Texten bestückt ist, hat ihre Basis-Leserzahl. Die Vereinsmitglieder sind ein nicht zu unterschätzendes „Pfund“. Wenn die Spass haben ihre Vereins-Website regelmäßig zu lesen weil dort immer wieder aktuelle Infos zu finden sind, dann werden die das auch „streuen“.

»Schön und gut, aber es lesen noch immer sehr viele Menschen die Zeitung«, bekomme ich dann zu hören. »Habt ihr euch schon mal gefragt, wer die Infos von eurem Verein liest?«, gebe ich daraufhin zu bedenken. »Glaubt ihr, dass die jeden interessieren? Ist es nicht vielmehr so, dass diese Artikel in den Zeitungen eh nur von den „Insidern“ gelesen werden? Und die meisten „Insider“ erreicht ihr mit einer gut gemachten Website allemal.«

Außerdem: Mit einem lesenswerte Webangebot im Rücken braucht auch niemand mehr zu katzbuckeln. Denn „meine Kunden“ habe ich bereits umfassend bedient.

Wo war ich? Ach ja: Wie sehen Lehrer aus? – Ist das wichtig? Nö, das war nur eine Frage um Dich zu locken.