Warum tust du das?

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»Warum tust du das?«, werde ich manchmal gefragt. »Was bezweckst du mit den Artikeln zum JMStV bei soheit.de? Warum schreibst du Landtagsabgeordnete an? Weshalb die Info-Texte zu WikiLeaks? Aus welchem Grund interessierst du dich für Themen wie Internet-Sperren, Zensur und Netzneutralität?« Die Fragen sind berechtigt. Denn im Netz findet man viele Websites, die über die Themen berichten – sehr ausführlich und weit besser als ich.

Aber nicht alle Menschen, die sich im Internet bewegen, interessieren sich für die oben genannten Themen, die ich mal mit dem Oberbegriff Netzpolitik zusammenfasse. Also werden sie Webangebote, die die Netzpolitik zum Schwerpunktthema haben, kaum besuchen.

Allerdings dreht es sich bei der Netzpolitik im Kern auch um so wichtige Dinge wie Meinungsfreiheit, Demokratie und so weiter. Nicht wenige werden, wenn sie solche Schlagworte hören, sagen: »Das haben wir doch alles…« Ich versuche mal zu erklären, warum ich es wichtig finde, sich „dennoch“ mit den Themen der Netzpolitik auseinanderzusetzen.

Das Internet liefert uns heute eine schier unglaubliche Fülle an Informationen. Das ist für uns mittlerweile so selbstverständlich, dass wir darüber so gut wie nie nachdenken. Ich zitiere an dieser Stelle noch mal Shi Ming [Quelle: wdr.de]:

Dass das für uns lebenswichtig ist, das vergessen viele, weil sie in dieser Selbstverständlichkeit leben, weil Informationen Gott sei Dank in Demokratie frei fließen.

Allerdings wird in den Zeitungen, im Radio oder im Fernsehen über Netzpolitik kaum, und manchmal auch gar nicht berichtet. Oft werden die Themen dort nur in Randnotizen behandelt, und meist erst, wenn die Sache schon gelaufen ist. Von den vielen Argumenten gegen die jüngste Novelle des JMStV zum Beispiel, wurde nach meiner Beobachtung in den klassischen Medien überhaupt nicht berichtet.

An der Stelle sehe ich ein Problem. Wenn es Themenbereiche, wie die Netzpolitik, gibt, über die in den klassischen Medien nicht oder nicht ausreichend berichtet wird, ist die Chance über solche Infos doch mal zu „stolpern“ und sie zu lesen geringer – vor allem, wenn man den Themen keine Bedeutung beimisst.

Daher hier mal ein Beispiel zum Stichwort „Internetsperren“, mit dem ich veranschaulichen möchte, welche Relevanz dahinter steckt:

Kürzlich erzählte mir eine Freundin, dass sie möglicherweise an einer sehr schweren Krankheit leidet. Sie müsse nun viele Untersuchungen über sich ergehen lassen, damit Näheres zum Krankheitsbild gesagt werden kann. Ihr Liebster habe aber schon im Netz recherchiert, welche medizinische Behandlungsmöglichkeiten es bei einer solchen Erkrankung gäbe… Kurz darauf las ich im Netz den Artikel „2011: Jahr der Internetsperren“ (fm4.orf.at). Daraus stammt folgendes Zitat:

Ross Anderson kommentiert das so: “Es gibt genug sinistre Mächte, die solche Blockiermethoden einführen wollen, um ihre eigenen Agenden darüber huckepack zu spielen. Das US-Außenministerium kann so ausländische Provider zwingen, WikiLeaks zu blockieren. Die Copyright-Industrie bekommt eine eigene Zensurliste. Pharmakonzerne können Publikationen kritischer Forscher und Journalisten aus dem Netz verdrängen.”

„…Pharmakonzerne können Publikationen kritischer Forscher und Journalisten aus dem Netz verdrängen.“

Worum geht es? Ein „Werkzeug“, was ich für gute Zwecke einsetzen kann, kann ich vielleicht auch für weniger gute Zwecke verwenden. Der Kinder- und Jugendschutz ist zweifelsfrei wichtig – ein guter Zweck. Aber was ist, wenn das „Werkzeug“ später auch genutzt wird, um andere „unliebsamen“ Informationen zu behindern oder gar zu blockieren? Was ist, wenn unabhängige Experten im Netz nicht mehr darüber informieren können, aus welchen Gründen sie bestimmte Behandlungsmethoden präferieren? Was ist, wenn man anderen Hilfesuchenden über das Netz nicht mehr mitteilen kann, welche Erfahrungen man mit der Therapie X oder Y gemacht hat?

Denn gegenüber den Zeitungen, dem Radio und dem Fernsehen hat das Internet einen Vorteil: Jeder kann jederzeit mitmachen. Wir können jederzeit, weltweit andere informieren oder einfach „nur“ unterhalten. Es würde mir aber nicht gelingen, diesen Text in der Lokalzeitung, im Radio oder im Fernsehen zu publizieren. Deshalb sagen auch einige, das Internet ist das einzige, wirklich demokratische Medium.

Und aus den Gründen streue ich hier hin und wieder mal einen Text aus dem Themenkomplex der Netzpolitik ein. Ich möchte auf diese Weise mithelfen, Menschen für die Themen zu sensibilisieren.