Unscharfe Woche

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Montagmorgen, kurz vor 9 Uhr: Ich putze meine Brille, denn bei dem Termin um 9 will ich ja den Gesprächspartnern klaren Blickes in die Augen sehen können. Und dann, Ihr ahnt es schon, bricht mir die Brille in zwei Teile auseinander. Das nennt man Titanflex und kommt von stabil wie Titan und flexibel wie… – ach, was weiß ich.

Ich bin nicht nur selten schön, ich bin auch ausreichend schnell. Will heißen: Ich habe mir hurtig meine Ersatzbrille aus dem Ärmel gezaubert. Allerdings ist das mit den Ersatzspielern immer so eine Sache, meistens sind sie nicht so stark. Meine Ersatzbrille ist das auch nicht. Wer kann´s ihr verdenken, hatte sie doch schon seit zwei Jahren keinen Einsatz mehr.

Verblüffend war, dass so gut wie niemandem der „Ersatzspieler“ auf meiner Nase aufgefallen ist. Dabei unterscheiden sich die beiden Brillen wie Pat & Patachon. Das zeigt doch mal wieder, was für ein unscheinbarer Mensch ich bin. Ich könnte mir eine schwarze, klobige Taucherbrille mit eingebauten Schwimmflossen auf den Kopf schnallen, es würde keiner merken. Ich bedauere mich.

Ach was war das für eine unscharfe Woche. Man wird ja auch so schrecklich unsicher: Hat der „Umriss“ da vorn gegrüßt und wenn ja, hat er mich gemeint oder die Silhouette neben mir? Und was war ich froh, als mich vorhin der Optiker meines Vertrauens zu sich zitierte und mir meine „neue, alte Schärfe“ vor die Augen setzte.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um mich bei all denen zu entschuldigen, die ich in dieser Woche nicht gegrüßt, zurückgegrüßt oder sonst wie übersehen habe. Es kommt, so Brille will, bestimmt nicht wieder vor.