Total besteuert

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Mehrere Euro Cent Münzen. Im Vordergrund ein Euro
Cent.

Etwas zu erklären, kann mitunter schwierig sein – besonders, wenn man es muss. Wie zum Beispiel die Steuern, die muss ich jedes Jahr erklären. Das ist Pflicht. Und das ist total be…

Total besteuert“ hat Ursula Ott ihr Buch betitelt, mit dem sie „Waffengleichheit“ gegenüber dem Finanzamt herstellen will:

Ab sofort wird zurückgeforscht. […] Du, Finanzamt, […] Du verlangst, dass ich jedes Chili con Carne von 1996 als Betriebsausgabe nachweisen kann? Dann will ich jetzt von dir umgekehrt wissen, warum du den Hundefutter-Herstellern Steuergeschenke machst und den Babywindel-Herstellern nicht […]

Ich kenne niemanden, der vor Freude laut Juchee schreit, wenn er sich an seine Steuererklärung begeben muss. Aber ich kenne viele, die sich verzweifelt die Haare gerauft haben, als zum 1. Januar 2010 die Mehrwertsteuer für Beherberungsleistungen von 19 auf 7 Prozent gesenkt wurde.

Ursula Ott führt in ihrem Buch Unmengen von derartigen Kuriositäten auf. Zum Beispiel die Geschichte mit dem Schriftsteller Heinz Strunk, der mitten in einer Dichterlesung kurzerhand mal zur Blockflöte greift und das Liedchen „Danke für diesen guten Morgen“ intoniert. Der Grund: Lesungen, so sein Steuerprüfer, seien keine Kunst und somit nicht mit dem ermäßigten Steuersatz gelten zu machen. Musik aber ist Kunst, also sieben Prozent.

Schon die Überschriften einzelner Kapitel lassen erkennen, dass Ursula Ott uns Steuerzahlern aus der Seele spricht: „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen…“, „Die Lohnsteuerzahler sind die Doofen!“, Was macht ihr da mit unserem Geld?“

Aber Ursula Ott feuert nicht nur gegen Finanzamt und Staat. Sie ist auch selbstkritisch. „MySteuer“ lautet beispielsweise der Titel eines Kapitels, in dem sie beschreibt: „Wie wir uns unsere ganz private Steuermoral zusammenbasteln“. Darin bringt sie ihre Sorge zum Ausdruck:

[…] dass etwas sehr Grundsätzliches abhandengekommen ist: der Gedanke, dass eine Gemeinschaft auf Dauer nur funktioniert, wenn neben dem blanken Egoismus auch so was wie Solidarität herrscht.

Auch in dem Kapitel „Ein gestörtes Verhältnis“ lässt sie Experten zu Wort kommen, als sie der Frage nachgeht: „Was passieren würde, wenn man den Steuerzahler auf die Couch legte“.

Der Staat will immer neue Steuern […] Der Steuerzahler findet immer neue Schlupflöcher […] Beide fühlen sich in einer Situation der Notwehr.

„Unilaterale Abrüstung“, „Vertrauenskultur“, „hierarchische Verhältnisse abschaffen“, „positive Verstärkung“, „Belohnung von »guten Steuerzahlern«“, sind einige der Stichwörter die ich mal plakativ aus den sehr bemerkenswerten Lösungsansätzen herausgepickt habe.

Es passt zum Buch, und ich denke auch zu Ursula Ott, dass sie quasi im Epilog dem Finanzamt doch noch anbietet, Freundschaft zu schließen, und das obwohl es doch…

Du hast dich mit einer »Betriebsprüfung« so brachial in mein Leben reingesemmelt, wie es noch nicht mal die nervigste meiner Freundinnen geschafft hätte. […] Ganz schön rot bin ich geworden, als ich dir das alles erklären musste, liebes Finanzamt. Du weißt jetzt mehr über mich als mein Frauenarzt und mein Pastor.

Es hat mir Spass gemacht, das Buch „Total besteuert“ zu lesen. Ursula Ott hat einen Schreibstil, auf dem man als Leser beinahe wie auf Wellen surfen kann. Und das Buch hat mir einige Gedankenanstöße gegeben, die ich sicherlich in den ein oder anderen künftigen Beitrag bei soheit.de einfließen lassen werde.