Tag der offenen Stalltür

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Pferd und Reiterin vor einem großen
Spiegel.

Vorhin bin ich doch tatsächlich wieder fremdgegangen. Ja! Ich bin nämlich raus aus dem lippischen Lügde, sogar raus aus NRW, hinein ins niedersächsische Bad Pyrmont.

Bevor Ihr Euch wieder entspannt zurücklehnt, der Hintergrund war aber sehr wohl eine Frauengeschichte. Dabei steht´s doch auf der Türinnenseite von sämtlichen Herrentoiletten: „Fang bloß nichts mit einer Kollegin an!“ – und was mache ich? Ich lasse mich von meiner Kollegin einwickeln.

»Wir haben am Wochenende „Tag der offenen Stalltür“. Du könntest doch mal wieder ein paar schöne Fotos schießen.« Ja, das könnte ich. Aber warum sollte ich das tun? Vielleicht wegen der vielen Frauen? Denn was ich bislang vom Pferdesport mitbekommen habe ist, dass der eine klassische Frauendomäne ist.

Aber bevor ich hier lange um den heißen Brei rede, meine Kollegin hatte mir gesagt: »Komm so auf 15 Uhr. Dann reite ich und anschließend trinken wir noch einen Kaffee«. Das war das Zauberwort: Kaffee! Und darum bin ich hin – zum „Tag der offenen Stalltür“ des Pyrmonter Reitervereins – wegen des Kaffees, nicht wegen der Frauen. Sonntags um 15 Uhr brauche ich meinen Kaffee. Und das weiß meine Kollegin. Und sie weiß das gezielt einzusetzen.

Ich muss allerdings zugeben, dass mich der Titel der Veranstaltung auch ein bisschen gereizt hat: „Tag der offenen Stalltür“. So losgelöst und völlig schwerelos lässt er ja durchaus Raum für Spekulationen. Herrje, kommen dir da auf halber Strecke die Pferde entgegen galoppiert, ist da noch eine harmlose Interpretation. Aber lassen wir das.

Meine Kollegin hat sich über meinen Besuch gefreut. Bevor ich den versprochenen Kaffee erhielt, hat sie mich kurzerhand als „Turniertrottel“ zweckentfremdet. Für so eine Dressurvorführung sind Reiterin und Pferd ausstaffiert wie Braut um Bräutigam vorm Traualtar. Und diese ganze Staffage gilt es nach der Vorführung wieder hübsch sauber und ordentlich wegzuräumen. Das Pferd wurde abgetakelt und ich aufgerüstet zum Abtransport.

Behängt mit den ganzen Equipment wurde mir klar, wenn ich das Pferd damit wieder einkleiden müsste, würde die Reiterin anschließend bestenfalls entgegen der Fahrtrichtung sitzen. Meine Kollegin führte mich zur „Garderobe“ und öffnete einige Schränke. Mir fiel die Kinnlade gegen den Hals. »Himmel! Das alles braucht Frau und Pferd um zu reiten?« Ich muss dabei schon fast gekreischt haben, denn lachend antworte eine Dame, die sich einige Meter weiter entfernt gerade „abschminkte“: »Ja, das gehört dazu.« Upps.

Später beobachtete ich ein attraktives Mädel, das gerade liebevoll die Zöpfchen vom Mähnenkamm ihres Pferdes aufdröselte. Etwa eine Stunde braucht es, um die einzupflechten erklärte sie mir. Ich musste an Männer denken, die mit Hingabe ihre Autofelgen polieren. Was Menschen für ihr Hobby alles auf sich nehmen… Ürre!

Es war ein schöner Sonntagnachmittag. Ich habe nette Leute getroffen, viel gelernt – und ich habe meinen Kaffee bekommen.