Sonntagsgedicht

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Eine Amsel auf einem
Dachfirst

Ich liebe ja ihr Gezwitscher. Im Gegensatz zu mir, verstehen sie auch was davon. Sollte mich das neidisch machen? Ah geh!

Nebenbei, dass mir das Foto gelungen ist, ist schon ein kleines Wunder. Normalerweise habe ich nämlich keine Fotomaschine in Griffnähe, wenn sich mir ein tolles Motiv bietet. Aber das macht noch nicht das Märchen. Auch nicht, dass zwischen mir und dem Sänger gut sieben Meter Abstand war. Solche Distanzen überbrückt eine Kamera bisweilen spielend.

Mich wundert, dass der Vogel als solcher überhaupt zu erkennen ist. Denn was uns wirklich trennte, war mein junggesellensauberes Fenster.

Zurück zum Thema. Von den wahren Twitter-Experten lässt´s sich lernen. Nicht, dass sie unsereins die Flötentöne beibringen wollen – nein, das ist es nicht…

Warum haben wir die Rasenkantensteine erfunden? Weil wir mit ihnen die Natur, wie wir sie uns vorstellen, so schön sortieren können: links der Rasen, rechts das Beet mit den Stiefmütterchen. Doch dann kommt Adalbert Amsel mit seiner Gattin daher und beginnt, kaum dass ich mich umgedreht habe, die von mir geschaffene Trennschärfe zu entfernen.

Anfangs hat mich das genervt, seit einiger Zeit bringt mich das zum Grübeln. Gibt es in der Natur überhaupt Trennungslinien? Oder ist im Grunde alles eins?…

Tja, diese Grübeleien führten dazu, dass ich heute, wenn ich Rasenkantensteine sehe, an Schubladendenken denken muss. Schubladendenken hilft oft – oft aber nicht weiter.

Ende des Gedichts und schönen Sonntag noch.