Sitzschulung

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 3 Minuten

Reiterin und Pferd im Licht der untergehenden
Sonne.

Als vielbeschäftigter Blogger muss man sich manchmal entscheiden. Gehe ich zum Martinimarkt in Elbrinxen, oder nehme ich an der Sitzschulung teil? Ich habe mich für die Sitzschulung entschieden. Einerseits habe ich dafür zwei persönliche Einladungen erhalten, und andererseits war mir klar, über den Martinimarkt werden genügend hochmotivierte Journalisten berichten.

Eine Sitzschulung ist, wenn man als altgedienter Büro-Hengst, der über 30 Jahre das Profil seines Gesäßes auf diversen Schreibtischstühlen hinterlassen hat, gesagt bekommt, wie man das in den nächsten 30 Jahren besser macht. Das könnte man denken…

Richtig ist, ich habe bei der Sitzschulung nur zugesehen. Die Schulung haben einige Mitglieder des Pyrmonter Reitervereins für sich organisiert. Ziel der Sitzschulung ist es, die Harmonie zwischen Reiterin und Pferd zu verbessern.

Wenn ich morgens mit meinem Bürostuhl zu einer Einheit verschmelze, ist das ähnlich. Aber ganz anders. Gibt es eigentlich nach einer Sitzschulung für Büro-Hengste auch eine A-Note für den sportlichen Inhalt und eine B-Note für den künstlerischen Wert? Das wäre doch mal eine spannende Zeugnisausgabe.

Entschuldigung, ich bin vom Thema abgekommen. Meine Kollegin hatte mir verschiedentlich schon von der Sitzschulung für Reiterinnen und Reiter erzählt. Daher war ich nicht überrascht, als die Kursleiterin, Reiter-Physiotherapeutin Frauke Behrens, den Reiterinnen jeweils einen Tennisball in die Hand drückte.

Die Reiterinnen schoben den Tennisball zwischen Sattel und dem linkem, beziehungsweise rechtem Sitzbeinhöcker. Automatisch saßen sie dann einwenig in Schräglage. Damit sollten sie, wenn der Ball unter dem linken Sitzbeinhöcker klemmte, „Rechtskurven“, wenn er unter dem rechten Sitzbeinhöcker geschoben war, „Linkskurven“ reiten.

Anschließend mussten die Reiterinnen den Tennisball, jeweils für ein paar Runden, zwischen linkem Oberschenkel und Sattel, beziehungsweise zwischen rechtem Oberschenkel und Sattel klemmen.

Der Tennisball bewirkt eine punktuelle Tiefenmassage. Die Arbeit mit dem Tennisball trägt aber auch dazu bei, dass die von ihm „angesprochenen“ Muskelpartien von den Reiterinnen besser wahrgenommen werden. Die verbesserte Wahrnehmung der Muskeln wiederum ermöglicht es, sie präziser einzusetzen.

Um es salopp zu sagen: Die Arbeit mit dem Tennisball verbessert die Körpersprache, erweitert sozusagen den „Wortschatz“, und ermöglicht so eine störungsfreiere Kommunikation mit dem Pferd.

Woher will der, der noch nie auf ein Pferd gesessen hat, das wissen? Nun, die Anleitungen der Seminarleiterin erinnerten mich oft sehr an die Hinweise und Erläuterungen meiner Yoga-Lehrerin. Aus diesem Grund würde ich, wäre ich Reiter, auch häufiger mal an einer Sitzschulung unter der Leitung von Frauke Behrens teilnehmen.

Gern hätte ich mir auch noch angeschaut, wie die Gymnastikbänder in der Sitzschulung zum Einsatz kommen. Meine Kollegin hatte mir davon im Vorfeld berichtet. Leider stand das, als ich gestern im Pyrmonter Reitzentrum war, nicht auf dem Programm. Aber für alle, die sich gern detaillierter mit dem Thema Sitzschulung für Reiterinnen und Reiter beschäftigen möchten, hier zwei Links:

[Frauke Behrens kentauros sytem](http://www.kentauros-system.de/) Mit Physiotherapie locker & leicht im Sattel, goodhorsemanship.de