Schwarzes Pferd auf schwarzem Grund

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Der Kopf eines Pferdes

Lippe ist schön – ja, sogar alpin. Als Lipper kenne ich mich aus. Dachte ich. Bis gestern. – Doch der Reihe nach.

»Ich will demnächst Nykle von einer Expertin fotografieren lassen. Willst du mitkommen? Du kannst bestimmt etwas dabei lernen.« Nykle, das Pferd meiner Kollegin, ist ein Friese, ein wirklich schönes Tier, aber… Meine Kollegin erkannte, dass sie mich noch nicht überzeugt hatte und schob argumentativ einige Bilder der Fotografin, Carmen Burre, nach. Mein Interesse war geweckt.

Gestern war´s soweit. Nykle wohnt im Pyrmonter Reitsportzentrum. Das Fotoshooting sollte in der Reitanlage Niedermeien stattfinden. Nykle auf dem Pferdeanhänger, meine Kollegin und ich in der „Zugmaschine“ vorweg, fuhren wir los.

Niedermeien gehört zu Kalletal, Kalletal zu Lippe, Lippe zu Nordrhein-Westfalen, Nordrhein-Westfalen zu Deutschland, Deutschland zum Rest der Welt. Jetzt findet jeder dorthin…

Wir hatten schon etliche Haarnadelkurven auf der serpentinenreichen Strecke hinter uns, ich war bereits beim Beten: ‚Jetzt bitte kein Gegenverkehr!‘, so schmal wurden die Wege, als ich meinen ganzen Mut zusammennahm und meine Kollegin fragte: »Kommt hier noch was?«

Gefühlte 2000 Meter über den Schiedersee-Spiegel, in einer zweifellos sehr reizvollen Landschaft setzte ich nach: »Sollte es tatsächlich noch Leben hier oben geben, was machen die bei so einem Winter wie den vergangenen?« Meine Kollegin lachte nur. Frauen können sehr kuhl sein.

»Oh, du mein Lipperland, wie bist du groß, schön und hoch!«, sang ich tonlos. Bei der Höhenluft wirst du zwangsläufig zum Schmalspur-Goethe. Irgendwann tauchten doch noch einige Häuser auf. Wir waren da.

Vorab: Ich habe keine Ahnung von Pferden. Die Profis unter den Leserinnen und Lesern mögen mir daher bitte meine laienhaften Ausführungen und Vergleiche im Folgenden verzeihen.

Also, was habe ich gelernt? Vor einem Fototermin macht man sich fein – nicht unbedingt der Fotograf, aber das Model. Ist man Pferd, lässt man Frauchen das machen.

»Abgesaugt habe ich ihn schon«, erklärte mir meine Kollegin nebenbei. Abgesaugt? Hin und wieder sauge ich meine Wohnung, alle zwei Jahre mein Auto aus, und es gibt Leute, die sogar einen Laubsauger benutzen… Aber gut, auch ein Pferd wird staubig. Allerdings frage ich mich, warum es noch keinen Sauger für uns Zweibeiner gibt – oder habe ich etwas verpasst?

Ein riesiger Koffer zog meine Neugierde auf sich. »Das ist sein Beautycase«, wurde ich aufgeklärt. Mit meinen Körperpflegemittelchens könnte ich den mobilen Schönheitssalon maximal zu einem Drittel füllen. Aber ich bin auch kein Pferd, und zweitens nicht so groß.

Notabene: Zuweilen werden Pferde auch schön geritten. Wirklich. Zum Beispiel, damit sie einen anders proportionierten Hals bekommen. Reiterinnen und Reiter sind sozusagen Pferde-Bodybuilder. Ich musste an einige Autobesitzer denken. Wenn Mann Autos schön fahren könnte, gäb´s selbst in Niedermeien Staus.

Mehrmals wurde ich gebeten, das Pferd zu halten. Kein Problem, werdet ihr denken. Das dachte ich auch. Nykle wiegt rund 560 Kilogramm. Und: Pferde sind, wie ich, ausgesprochene Fluchttiere…

Nun erkläre mal so einem Kraftpaket, dass es doch jetzt bitteschön die andere Körperseite zur Kamera bewegen soll. Außerdem möchtest du den Gutesten daran hindern das Gras zu knabbern, weil er für´s Foto den Kopf fein hoch halten soll.

Ich erinnerte mich an ein kleines Mädchen, das ich nachmittags in Pyrmont gesehen hatte. Im chaotischen Nachmittagsverkehr führte es fast seelenruhig zwei Pferde zur Weide. Hätte ich das machen sollen, ich hätte für Schlagzeilen gesorgt.

Doch glücklicherweise war ich von Pferdeexpertinnen regelrecht eingekesselt. Sonst hätte es von mir auch nur zwei, drei Bilder gegeben: Pferd auf der Flucht.

Für alle, denen mein Kurz-Protokoll vom gestrigen Nachmittag nicht zu lang wurde, hier noch die Auflösung des Rätsels: „Schwarzes Pferd vor schwarzem Hintergrund.“

Ein schwarzes Pferd vor einem dunklem
Hintergrund

Von hier aus noch mal vielen Dank an Carmen Burre, der Fotografin, und an Verena Hannemann, vom Team des sehr schönen Reitstalls in Niedermeien, die damit einverstanden waren, dass ich auch ein paar Fotos schieße.