Schlichtheit siegt

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Vor ein paar Tagen erzählte mir Dirk, dass ein guter Online-Editor entscheidend für ein CMS sei. Da ist was dran. Die Frage ist nur was.

Mit einem CMS, beziehungsweise einem Redaktionssystem kann heute jeder spielend leicht Beiträge im Internet veröffentlichen. Es kommt jedoch auf die „Ausstattung“ des Editors an, inwieweit man damit die Beiträge gestalten kann.

Beliebt sind nach meinen Beobachtungen die WYSIWYG-Editoren – „What You See Is What You Get“, frei übersetzt: „Was du siehst, ist das was du bekommst“. WYSIWYG-Editoren erleichtern sicherlich den Einstieg für das Arbeiten mit einem Redaktionssystem, weil sie so schön an die bereits bekannten Textverarbeitungsprogramme erinnern. Aber sie haben einen Nachteil, der nicht ihnen anzulasten ist.

Die textgestalterischen „Turnübungen“, wie sie bei unglaublich vielen, hauptsächlich von Laien erzeugten Druckerzeugnissen anzutreffen sind, tauchen damit im verstärktem Maß auch im Netz auf. Weil, und das verüble ich niemandem, es ja so wunderbar einfach ist, mit einem Button hier, den Text in Fett darzustellen, und einem Button dort, die Überschrift in Schweinchenrosa zu setzen.

Der Grund dafür ist: Viele Menschen, wie auch ich, haben „Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung“ nie gelernt und von Typografie nur nebulöse Vorstellungen.

Aber: Mit einem Redaktionssystem, mit einem Editor, werden die Nutzer auch zu Webdesignern. Und: „Web Design is 95% Typography“ [Quelle: informationarchitects.jp].

Mir ist schönes Design auch wichtig – auch schönes Webdesign. Aber nach meiner Erfahrung gilt auch für das Webdesign: „Weniger ist mehr“. Mein damaliger Chef hat mir aus dem Grund mal einen umfangreichen Zeitungsartikel über das Thema Webdesign in die Hand gedrückt. Die Überschrift des Textes lautete: „Schlichtheit siegt“.

Zurück zum Editor für ein Redaktionssysteme – „Schlichtheit siegt“. Es bedarf keines Editors, der einem Textverarbeitungsprogramm in nichts nachsteht, um gute Websites zu führen.

Was aber nötig wäre, sind Schulungsangebote – zum Beispiel durch die VHS. Hier sollte schon bei den Schulungen für die Textverarbeitung angesetzt werden. Ich habe gerade mal bei der regionalen VHS Lippe-Ost nachgeschaut. In Ansätzen scheint das schon berücksichtigt zu werden:

Dokumente frei gestalten (z.B. Tischkarten, Einladungen, Visitenkarten) und Briefe nach DIN–Norm schreiben!

[Quelle: VHS Lippe-Ost „Grundlagen der Textverarbeitung, Teil 2“] Nach meinen Informationen sind die Schulungen jedoch noch sehr ausbaufähig.

Warum reite ich so auf den Themen „Webdesign“ und „Typografie“ herum?

Mir geht es nicht darum, in unserer bis ins Detail formalisierten und durchgeregelten Welt noch auf weitere Regeln zu beharren. Typografie ist ein über sehr, sehr viele Jahre gewachsenes Wissen (siehe auch: „Geschichte der Typografie“ bei de.wikipedia.org), was aber, soweit ich das beobachten kann, bei vielen Menschen nicht mehr präsent ist. Die Typografie thematisiert, die Fachleute mögen mich korrigieren wenn ich hier Bockmist schreibe, solche Dinge wie Lesbarkeit, augenfreundliches Gestalten von Texten und so weiter. Typografie hat auch etwas mit Barrierefreiheit zu tun.

Ob eine Website häufig besucht wird, ob die Beiträge dort gern gelesen werden ist oft auch eine Entscheidung, die nicht bewusst getroffen wird. Und ich glaube, an dem „Ort“ wo sie getroffen wurde, war das Einhalten typografischer Regeln ein entscheidendes Kriterium.