Reifezeit von Texten

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 2 Minuten

»Aber wir sind doch der Kaninchenzuchtverein, nicht der Geflügelzuchtverein.« Hatte sich doch tatsächlich in einem Grußwort für den Kaninchenzuchtverein das klitzekleine Wörtchen „Geflügelzuchtverein“ eingeschlichen. »Wir müssen alle mal Feder lassen«, gab ich zu bedenken, als man mir vorwurfsvoll das vermaledeite Grußwort unter die Nase hielt.

Ich höre sie schon: »Das kommt davon, wenn man mit Textbausteinen arbeitet!« Das weise ich weit von mir – mindestens bis nach Neuseeland. Ich verwende keine Textbausteine und auch keine, wie auch immer geartete Datenbank mit vorgefertigten Grußworten oder Laudationes. Meine Phantasie ist groß genug, Punkt.

»Aber den Text anschließend noch mal mit Bedacht durchlesen, das könntest du schon.« Stimmt. Nur ist es häufig so, dass die Druckerpresse bereits rattert, wenn ich den Auftrag bekomme: »Schreibe er mal eben…«

»Texte wollen manchmal auch reifen«, erklärte mir neulich jemand. Schön und richtig. Nur wie macht man das, wenn man am Fließband steht? Da muss man sich auf seine Genialität einfach verlassen. Unabhängig davon: Wer sagt mir, wann ein Text reif ist?

Wer kennt das nicht? Du schreibst einen Text und irgendwann (nach langer Reifezeit) entscheidest du: So, das soll er jetzt sein. Vier Wochen später liest du ihn dir noch mal durch und denkst: Bitte lass jetzt irgendwas im Nichts verschwinden – den Text oder mich.

Ich denke, wer sich zu lange mit der Reifezeit von Texten beschäftigt, bekommt nicht viel vom Tisch.