Profiler

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Skizzierter Teil eines
Kopfprofils

„Der hat kein Profil“, klingt nicht nach einem Kompliment. Übersetzt bedeutet die Feststellung soviel wie: Der hat keinen Charakter, keine Konturen – ist schlecht einzuschätzen.

Sobald wir fremden Menschen etwas genauer fokussieren beginnen wir, ein Profil von ihnen zu erstellen. Wir machen das, damit wir sie in unser ureigenes Schema einordnen können, damit wir uns entsprechend verhalten können. Das „Profiling“ hilft uns, uns zu orientieren. Wir fühlen uns sicherer, wenn wir von jemanden ein Profil haben.

Auch Unternehmen betätigen sich als Profiler. Für sie ist es überlebenswichtig einschätzen zu können, welche Produkte die Kunden kaufen werden. Je größer die Konkurrenz, desto wichtiger ist es, die Kundenprofile zu kennen.

Es gibt auch Behörden, die Profile erstellen. Sie wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben und wie sie auf „ihre Kunden“ reagieren können.

Profile anzulegen ist weder neu noch unnormal. Während jeder einzelne von uns seine Profile wie vor 100 Jahren im Kopf abspeichert, werden die Konturen der Profile die sich Unternehmen und einzelne Behörden von ihren Kunden anlegen immer schärfer.

Die sich rasant entwickelnde Technik und wir, die Kunden, die ebenso gern die Technik nutzen, machen es den Unternehmen und Behörden einfach.

Immer mehr Facetten des Lebens finden online oder von Computern erfasst statt, werden zugänglich und gespeichert.

…schreibt Frank Rieger in seinem Artikel „Der Mensch wird zum Datensatz“. Und:

Noch sind die verschiedenen Datenquellen einigermaßen getrennt. […] Der Trend geht aber zur Konsolidierung, ohne dass die Kartellbehörden auch nur ahnen, was passiert.

Als ich den Artikel gelesen habe dachte ich an einen Satz, der mir schon häufiger begegnet ist: »Datenschutz ist Täterschutz!«, gern wird er auch ergänzt mit: »Ich habe nichts zu verbergen.«

Ich dachte aber auch daran, dass viele meiner Bekannten, nachdem sie den Beitrag gelesen haben, vermutlich noch weniger Mut finden zu twittern, bloggen oder zu kommentieren.

Zwei Extreme. Klar ist, die Ignoranz wie die Angst hilft uns nicht. Aber wie sollen wir auf diese „Sammelleidenschaft“ von einzelnen Unternehmen und Behörden reagieren?

Wir sollten häufiger nachhaken: Wozu brauchen Sie diese Informationen? Wie lange werden sie gespeichert? Frank Rieger schlägt sogar vor:

[…] Um eine neue Datenschutz-Balance wirksam zu erzwingen, ist die Einführung einer aktiven, regelmäßigen Mitteilungspflicht von Behörden und Unternehmen über die gespeicherten Daten an jeden einzelnen Betroffenen notwendig. […]

„Der hat kein Profil.“ – Ist die Feststellung unter Umständen doch ein „Kompliment“?