Man muss es leben

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»Ach, du kannst Noten lesen?«, fragte er mit einem Grinsen, das mich irgendwie an Ironie erinnerte. »Musik liest man nicht, man lebt sie!«, parierte der Gefragte. Wenn man Noten nur runterspielt, ist die Musik seelenlos, hätte ihn eine Freundin von mir bestärkt, wenn sie dabei gewesen wäre.

Ich dachte daran, wie ich musiziere (keine Sorge, das kommt nicht oft vor). Selten, dass ich ein Lied vollständig nach „Vorlage“ spiele. Mal ist es die erste, manchmal die letzte Strophe, die das Original erkennen lässt. Der Hauptteil des Stückes ist dann, wenn ich die Anmerkung des Freundes aufgreife: „gelebte Musik pur“ – das kann von Bluesanleihen bis rüber zur Imitation eines Dreigesangs wechseln. Der Fachleut würde von Improvisation sprechen, wobei er in meinem Fall dafür wohl auch die Hühneraugen zudrücken müsste.

„…Man lebt sie.“ Das erinnert mich auch an meine Ausflüge ins Land des Gärtnerns. Du kannst viele Pflanzen kennen und wissen, wie sie zu pflegen sind. Letztendlich kommt es jedoch darauf an, wie man die Pflanzen „komponiert“.

Ob beim Tanzen, beim Texten, oder bei einem Vortrag: Man muss es leben, sonst ist es seelenlos.