Kontrastprogramm

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Bildausschnitt von einem Milchkännchen. Darauf der Schriftzug „Zum
Jubelfeste“

Es ist schon nett, in einem Ort von historischer Bedeutung zu wohnen. Doch manchmal kann das auch ziemlich nervtötend werden.

„Ja, Lügde ist alt, sehr alt! Sogar Karl der Große war mal hier. Und Lügde hat eine historische Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern.“ Ständig lese ich davon, sehe immer wieder die gleichen Bilder von den gleichen, den schöneren Fachwerkhäusern – und als Steigerung schreibe ich zuweilen selbst solche Werbetexte. Worte wie historisch, geschichtsträchtig, Frühmittelalter und so weiter können dann schon mal zu einer ausladenden Gähn-Attacke führen.

Als ich dieser tage den Text vom Mittelaltermarkt in Lügde tipperte und dabei an den Festumzug aus Bad Pyrmont dachte, entstand in meinen Kopf wieder ein Film, den ich zu gern Realität werden lassen würde.

Ich stellte mir vor, wie der Festumzug mit all den historisch kostümierten Leutchens in die Altstadt einzieht, und am anderen Ende des Stadtkerns, etwa in Höhe der Kilianskirche, aus dem Nichts eine gigantische, sehr bedrohlich wirkende Wolke heranrollt. Ein unheimliches Grollen ist zu hören.

Wie in Roland Emmerichs „Independence Day“ schält sich aus der Wolke ein monströses Raumschiff. An dessen Boden öffnet sich eine Klappe. Das gleißende Licht aus der Öffnung und der Nebel, der die Szene umgibt, machen es unmöglich zu erkennen, wer oder was das UFO verlässt. Einige unendlich lange Minuten später zeichnen sich Umrisse ab. Es müssen 70 oder mehr Gestalten sein. Dann endlich lichtet sich der Nebel. Jetzt ist er deutlich zu sehen:

Der Festzug aus der Zukunft.

In der ersten Reihe, niemand hätte ernsthaft etwas anderes erwartet, blechernd schnaufend Darth Vader. Zu seiner Rechten, seine 7. Ehefrau, die blaue Diva Dance, die er erst eine Woche zuvor geehelicht hat. Flankiert werden die beiden von ihren Trauzeugen, Chewbacca und Jar Jar Binks, der eben fast über seine Ohren gestolpert wäre. Dahinter trottet jammernd ET, weil Dr. med. McCoy, besser bekannt unter seinem Spitznamen Pille, ihm seinen Telefonfinger bandagieren will. Auf dem Flug hierher hatte einer dieser schweineähnlichen Mangalores ihm mit voller Wucht auf den Finger gedroschen, weil er diesen für ein ekeliges, langes, leuchtendes Insekt gehalten hat. Neben den beiden fachsimpeln der Terminator sowie Klingonengeneral Chang (frisch gekürter Aufsichtsratvorsitzender der Bad Bank of the United Federation) über Hedgefonds, derweil in der Reihe dahinter ein Tumult entsteht, weil Toruk und das Alien sich mal wieder nicht einigen können, wer der hässlichere von beiden ist.

Ganz in meiner Nähe vernehme ich ein vornehmes Räuspern – es kommt von unten links. »Yoda! Du auch hier?«, frage ich den halbhohen Jedi-Meister, nur wenig überrascht von seinem plötzlichen Erscheinen. Woraufhin er mich tadelt:

»Nie ein guter Lügder er wird, zu schlechte Gedanken er hat.«