Kleine Stadt, die nicht alles hat

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Lügde mit Blick auf die Kirche Sankt
Kilian.

»Luegde.de ist dein Kind!«, sagte mir die Woche wieder jemand. Den Satz habe ich schon öfters gehört. Auch wenn ich versuche meine Nähe zu luegde.de abzustreifen, so ganz gelingt es mir oft nicht. Denn von Beginn an habe ich luegde.de betreut. Luegde.de ist ein Prozess, an dem ich über die verschiedenen Versionen hinweg vieles selbst geschraubt habe – sehr oft auch in meiner Freizeit.

Nicht alles, was ein Pralinen-Potpourri so hergibt, ist lecker – so ist das auch mit Kritik. In der vergangenen Woche bekam ich gleich eine Großpackung von einer solchen Mischung. Es waren echte Gaumenkitzler dazwischen: »Volker, ich finde es toll, was du da schreibst, wie du da agierst.« Aber es waren auch Pralinen dazwischen, die nicht unbedingt meinen Geschmack trafen.

»Ich habe das gesucht. Aber seit der jüngsten Umstellung der Seite, finde ich es nicht mehr wieder.« Solche Aussagen machen mich hellhörig. »Wo haben sie es denn gesucht?« Hinter den Antworten auf diese Frage verbergen sich oft auch sehr nützliche Tipps zur Verbesserung der Navigation. »Ich habe es letztendlich über das Suchfeld gefunden.« Anmerkung: Die Suchfunktion, die (fast) das komplette Webangebot durchsucht, ist erst seit dem jüngsten Relaunch von luegde.de Programm.

Trotzdem bat ich die Guteste mir zu verraten, wie sie zuvor über die Navigation versucht hat die Info zu bekommen. Es stellte sich heraus, dass sie in der vorherigen Version von luegde.de mindestens zweimal mehr hätte klicken müssen.

Warum ich das erzähle? Vieles ist eine Sache der Gewohnheit. Hat man sich an etwas gewöhnt, kostet es manchmal ein bisschen Zeit sich neu zu orientieren. Gerade nach dem Wechsel einer Version mit größeren Veränderungen häufen sich solche Hinweise. Aber die Zeit für das Ablegen einer ureigenen Gewohnheit darf man meines Erachtens nicht in Gänze in die Waagschale der Kritik werfen. Panta rhei, alle fließt, alles verändert sich – und im Internet rasend schnell.

Webdesign und Inhalte

Manchmal werden mir auch Links zu Webangeboten von anderen Städten zugeschickt: »Die finde ich toll. So sollte die Website luegde.de aussehen.«, heißt es dazu. Zum Thema Webdesign habe ich mich hier schon oft ausgelassen (siehe Link hier). Wer sich viel im Netz bewegt, Antworten auf seine Fragen sucht, sich auf den neuesten Stand bringen möchte, sich unterhalten lassen möchte, weiß, das Aussehen einer Website ist nachrangig. Ein tolles Design gibt mir keine Antworten auf meine Fragen, bringt mich nicht auf den neuesten Stand und kann mich höchstens sehr kurzfristig unterhalten.

Wenn ich wissen will, wo und wann ich den Rasenschnitt hinbringen kann, ist das Aussehen der Seite für mich nicht wichtig – die Hauptsache ist, ich finde schnell die Information.

Wenn ich in einer Stadt bauen möchte und nach freien Bauplätzen suche, was nützt mir dann ein tolles Webdesign, wenn ich die Infos in dem Webangebot nicht finde – weil sie nicht vorhanden sind? In solchen Fällen könnte man auch sagen: Die machen hier mit ihrem Design auf dicke Hose – und was steckt dahinter? Wenig.

Worauf es bei dem Internetauftritt einer Stadt ankommt ist weniger das Panoramafoto im Kopf eines Web-Angebotes – entscheidend sind die Inhalte. Und dafür sollte ich beispielsweise wissen: Was ist das Ziel des Webangebotes? Welche Kunden habe ich? Was haben meine Kunden für Wünsche an das Webangebot? Wie kann ich meine Kunden halten? Was kann ich anbieten, um neue Kunden zu bekommen?

Ich habe nichts gegen ein schönes Webdesign einzuwenden. Doch ein glamourös aussehender Auftritt kann auch schnell als reine Fassade enttarnt werden. Wir sind nicht Bad Pyrmont und wir sind nicht Blomberg. Lügde ist eine kleine Stadt, die nicht alles hat. Aber hier kocht Muttern noch selbst.