Im Traum gefangen

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Mit der Harley-Davidson über die Route 66. Das muss es sein! Das wollen sie. Allerdings: Sie können weder Mopedfahren noch haben sie eine Harley.

»Don´t dream it, be it! Ich besorge euch die Harley und ich erkläre euch alles, was ich vom Mopedfahren weiß – das kostet euch nix«, biete ich an.

»Aber die Sonne muss scheinen! Abends wollen wir in schmucken Hotels, kühle Biere trinken. Netten Menschen wollen wir begegnen und mit ihnen einen Teil der Strecke zurücklegen«, träumen sie mir laut vor.

»Ja, ja! Ich gönne euch das. Euer Ziel finde ich toll. Deshalb gebe ich alles, euch das zu ermöglichen. Lasst uns jetzt anfangen!«

»Und wenn es schlechtes Wetter ist, brauchen wir ein klimatisiertes Wohnmobil. Das sollte ständig in der Nähe sein…« »Wohnmobil? Ich denke ihr wollt das echte Feeling vom Mopedfahren?« Die Frage bleibt unbeantwortet, stattdessen:

»Und die Harley darf nicht so schwer… höchstens… aber fett sollte sie schon aussehen…« Ich spüre, wie mir die Ohren zufallen. »…außerdem muss sie einen roten… viel Chrom… wichtig ist ein weicher Sattel… Leder… besser nicht… der Lenker… nicht so hoch… eher mittel… Fuchsschwänze… breite Reifen, richtige Puschen…«

Immer wieder rüttele ich sie: »Genug geredet, gehen wir es an!« Doch ich bekomme sie nicht wach. Wieder welche, die im Traum gefangen sind. – Die Route 66 ist das Internet und die Harley ein eigenes Webangebot.

Der Unterschied ist, die Route 66 wird es in fünf Jahren noch so oder ähnlich geben, das Internet aber entwickelt sich rasend schnell weiter. Und wer sich nicht selbst einfach auf den Bock schwingt und Gas gibt, wird auch weiterhin nur davon träumen können – aber vermutlich wird er in fünf Jahren die Träume nicht mehr verstehen.