Frau Rettich, die Czerni und ich

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Man sitzt im Wartesaal des Zahnarztes und wartet auf die Wurzelbehandlung und was sonst noch geht. Ein bisschen Zeit müssen Sie schon mitbringen, heißt es immer so freundlich bei der Terminabsprache. Minuten im Ewigkeitsformat sind Programm. Warum gibt es keine Narkose für diese Phase vor den Gang in die „Folterkammer“?

Wir wissen nicht, was Ihnen die freundliche Zahnarzthelferin empfiehlt: Wir empfehlen Ihnen für die Wartezeit das Buch „Frau Rettich, die Czerni und ich – eine Sommerverlobung“ von Simon Borowiak.

In dem Buch geht es weder um einen Zahnarztbesuch, noch um Ängste. Es ist auch alles andere als so zählflüssig wie die Wartezeit beim Arzt. Die Geschichte ist Humor pur, sie ist eine „Antithese“ zur Narkose! Nebenwirkungen sind keine bekannt, außer eine Sucht nach: Mehr von dem „Zeugs“!

Der Roman beginnt mit einem Spanisch-„Leistungs“-Kurs:

Ich notiere meine Übersetzungsvermutung und reiche sie zusammen mit Czernis leerem Blatt bei Frau Rettich ein. […] »Wie, bitteschön, soll ich das bewerten?« […] »Gib mir halt eine 2+ und wirf die Czerni aus dem Kurs.«

Frau Rettich unterrichtet ihre beiden Freundinnen, die Czerni und die Erzählerin der Geschichte. Die drei wollen in den Urlaub – nach Spanien. Frau Rettich sehnt sich nach ihren Pupsi und die beiden anderen haben, ich sage mal: Keine Ahnung. Noch nicht. Denn auf Frau Rettich ist Verlass – auch im Urlaub…

Sie weiß, dass Frau, dort angekommen, Kerzen anzünden sollte. Denn: „In Spanien funktionieren die Heiligen besser!“ Doch vorher sollte man sie – die Kerzen, nicht die Heiligen – auf ihren „Seligkeitsfaktor“ hin prüfen.

Am Strand lässt Frau die Seele baumeln und den Sorgen freien Lauf:

Wie wird man den Beinschwabbel bloß wieder los? Da setzen die Satelliten und Teflonpfannen und Nylonstrümpfe im Weltraum aus, aber ein Mittel gegen den Beinschwabbel haben sie nicht. Es müsste doch, groß angelegt und streng wissenschaftlich, etwas gegen Beinschwabbel möglich sein.

Und wenn es regnet? Dann führt Frau Rettich ihren Kurs in die Boutiquen – und „Goldstück“, die Erzählerin, gibt sie beim Friseur ab.

Was macht Frau mit roten Haaren und zwei abstehenden Ohren, die, wenn sie vom Haarewaschen erstmal freigelegt sind, vor Schreck leuchten wie zwei kleine Ampeln? Und was passiert, wenn der Friseurladen von außen einsichtbar ist? Abfallen werden sie – die Ohren… „Ohr Haupt voll Blut und Wunden.“

Mehr verrate ich nicht – nur noch: Selbst wenn dein Zahnarzt dich schon viermal hat ausrufen lassen, du wirst das Buch zu Ende lesen wollen!