Fieberfantasien

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Das Leben ist hart. Alles wird schwieriger und komplizierter – auch das Schreiben von Grußworten. Jetzt wird einem schon vorgegeben, wie so´n Ding zu formatieren ist: Schriftart, Schriftgröße, Anzahl der Zeichen und so weiter. Mensch, merken die´s noch? Das blockiert doch jedwede schöpferische Entfaltung!

Man muss schon hohes Fieber haben, wenn man auf ein Grußwort besteht. Aber Fieber braucht es auch, um eines zu schreiben. Wegen der schöpferischen Entfaltung, versteht sich. Die Formel ist einfach: Hohes Fieber gleich Fantasieren. Daraus folgt: Fantasieren gleich Grußwort.

Das klappt manchmal so gut, dass mir selber beim Lesen meiner Grußworte vor Rührung die Tränen in die Augen steigen. Heute kam mir dabei in den Kopf: Wer aus dem Nichts dermaßen ergreifende Texte kreieren kann, der könnte doch glatt die nächste Sonntagspredigt schreiben.

Sonntagspredigt? Pah! Ich sollte mich, wenn es das geben würde, als Kandidat für „Germanys next Top-Pastor“ bewerben. Ja, ich habe alles was Mann dafür braucht:

  • ich kann hervorragend singen (das darf ich leider hier nicht unter Beweis stellen),
  • ich kann fließend Latein: Oh Herr, lass mir nicht meine Cedrus deodara pendula aurea eingehen,
  • ich glaube an den Heiligen Geist – des Weines, des roten, des trockenen,
  • ich habe immer ein offenes Ohr (das andere ist der lauten Beatsmusik in meiner Jugend zum Opfer gefallen) und
  • ich wähle gern schwarz – schwarze Kleidung (was denn sonst?).

Aber wenn ich´s mir recht überlege… Will ich ein zölibatäres Leben führen? Näää, das ist nichts für unsereins.

Will noch einer ein Grußwort?