Es wird wieder ein Ferrari

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Eigentlich sollte hier schon längst ein Text über den Besuch der Regierungspräsidentin gestern in Lügde stehen. Ein Trauerfall hat mich davon abgehalten.

Donnerstagabend nahm mich der Hausarzt meines Ferraris beiseite. Sein mitfühlender Gesichtsausdruck und seine Stimme ließen mich erahnen, was ich schon seit längerem befürchtet, aber immer wieder verdrängt habe. Ich weiß von diesen Minuten nur noch, dass er mir die Hand auf die Schulter legte und so etwas sagte wie: »Du musst jetzt ganz stark sein. Er wird es nicht mehr schaffen. Die Metastasen des Rostes haben schon…«

Ich wollte und konnte seine medizinischen Ausführungen über den Krankheitsbefund nicht mehr hören. Meine Gedanken wanderten zurück in die Vergangenheit, und zeigten mir die schönen Bilder gemeinsamer Erlebnisse. Mein Ferrari und ich… Er war immer so tapfer. Ich auch. Meine Augen schwammen in Tränen. Der Boden unter meinen Füßen tat sich auf.

»…am besten du schaffst dir gleich ein neues an. Ich habe diese Woche ein paar schöne Modelle reinbekommen.« Warum auch immer, auf einmal konnte ich den Doktor wieder hören. »Komm am besten morgen vorbei, dann kannst du sie dir genau anschauen.«

Mein Schwager, dem ich gleich darauf von meinem Unglück erzählte, hörte mir zu, spendete Trost, sprach mir Mut zu und öffnete mir dabei einen Spalt breit die Augen für die Sicht in die Zukunft. „Selbstverständlich komme ich morgen mit“, sagte er, was mich ebenfalls ein bisschen beruhigte.

Kaum das die Regierungspräsidentin gestern aus dem Rathaus raus war, bin ich auch hinaus. Der Autodoktor freute sich richtig mich wieder zu sehen. ›Lass da gar keine Lücke entstehen. Umso schneller kommst du über die Trauer hinweg‹, stand in seinen Augen geschrieben. Die beruhigende Gegenwart meines Schwagers und sein aufmunternder Blick verhinderten, dass ich erneut in Tränen ausbrach.

Mein Schwager kennt sich mit Autos aus, ich nicht. Er fährt gerne Auto. Ich fahre gerne Fahrrad. Mein Schawager übrigens auch.

Also: Was ich mit dieser Geschichte sagen will ist, wir haben gestern fast den ganzen Nachmittag damit verbracht, Autos auf Herz und Lunge zu testen. Danach war mir so übel, dass ich keine Lust mehr hatte den Deckel vom Rechner aufzuklappen. Und darum steht hier noch nichts über den Besuch der Regierungspräsidentin in Lügde.

Nur noch so viel: Ich denke, es wird wieder ein Ferrari.