Der alte Hermann und der Schatz

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 3 Minuten

Eine Landschaftsaufnahme mit Bergen, im Vordergrund
Schuhe.

„Die Herlingsburg – ein ganz besonderer Ort“ – Ein beliebter Ort ist sie allemal. Das war von den wohl meisten der Teilnehmern, die der Einladung gestern gefolgt sind zu hören. Rund 50 Leutchens sind den über 300 Meter hohen Berg hinauf gewandert, um den Schilderungen von Dr. Peter Schütze zu lauschen.

Vor zwei Jahren habe ich Peter Schütze in der Elbrinxer Marktscheune Werke von Wilhelm Busch vortragen gehört, und war begeistert. Aus dem Grund, und weil auch ich ein großer Fan der Herlingsburg bin, war für mich von Anfang an klar: Da musst du hin.

Wie von mir vermutet, der Vortrag von Dr. Peter Schütze war klasse! Notabene: Der Vortrag wurde professionell gefilmt und wird irgendwann, irgendwo – möglicherweise im Netz (?) zu finden sein. Vielleicht weiß ein Leser genaueres zu berichten.

1464

Auch zwei Versionen der „Hermann-Sage“ trug Dr. Peter Schütze vor und schilderte, was aus ihnen interpretiert werden könnte. Hier die Fassung, wie sie demnächst auf einer Tafel am gestrigen Ort der Veranstaltung nachzulesen ist:

#### Der alte Hermann und der Schatz

Nach seinem siegreichen Kampf gegen die Römer kehrte Hermann der Cheruskerfürst zur Herlingsburg zurück. Er war müde – und er sehnte sich nach Frieden und einem guten Leben für sich und seine Gefährten. Doch er sollte nicht zur Ruhe kommen. Denn hier, tief unter seiner Burg, hauste das Zwergenvolk. Es hatte gewaltige Schätze in den Höhlen und Stollen gehortet.

Eines Nachts bei Vollmond öffnete sich der Berg einen schmalen Spalt - gerade so weit, dass ein Mensch hindurch schlüpfen konnte. Im Mondlicht schimmerten Perlen, goldene Äpfel und viele andere Schätze. Hermann starrte gebannt auf die funkelnde Öffnung.

Wie von fremder Hand gesteuert schlüpfte er durch den Spalt in den Berg hinein. So einen Schatz hatte er noch nie zu Gesicht bekommen: In den unterirdischen Gärten blühten Lilien aus Silber und Rosen aus Gold. Glitzernde Diamanten und rotglühende Rubine lagen fein säuberlich aufgeschichtet an den Wänden der Höhlen. Berauscht wandelte Hermann durch die Gänge und vergaß, dass der Eingang sich wieder schließen könnte. Und so geschah es. Im Morgengrauen ließ ein Zauber der Zwerge die Öffnung verschwinden. Für eine unendlich lange Zeit.

Aber wer zur rechten Stunde genau an dieser Stelle steht, dem wird sich der Berg auftun. Er darf hinuntersteigen und sich von den Schätzen so viel nehmen, wie er mag. Und wer weiß: Vielleicht begegnet er dabei dem alten Hermann, der auf seine Rückkehr wartet…

Übrigens: Die Tafel mit dem Text der Hermann-Sage ist eine „Station“ des neu geschaffenen „Mythenweges“. An dem Mythenweg ist auch eine Landschaftsliege zu finden, die ich gestern selbstverständlich mal wieder genutzt habe – allein schon, um das Foto oben zu schießen. Und ich versichere, dafür war keinerlei Yoga-Haltung erforderlich. Leider war es gestern etwas trübe, sonst hat man dort in etwa diesen Ausblick.