Das tat richtig gut

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 2 Minuten

»Was gibt´s Neues?«, wollte meine Kollegin wissen. Ich erzählte es ihr. »Was du brauchst, ist eine Kur. Ich schreib dir was auf.« Ich mag Frauen, die schon am Telefon eine Diagnose treffen können. Sie wartete auf eine Reaktion. Ich blieb stumm. »Du brauchst etwas Leichtes!« »Ach nee.« Dann die Medizin: »Wir fahren ins Kino!« Das war das Jubeln einer erfolgsverwöhnten Ärztin. »Wenn du mich dorthin trägst und mich schön warm zudeckst, wird´s gehen.«, murmelte ich nur noch. Die Gartenarbeit hatte mich geschafft.

Kaum das ich mich in den Kinosessel habe fließen lassen, öffnete sich schon der Vorgang. Mit einem Ellenbogencheck riss mich meine Kollegin aus der Konzentration. »Die Werbung finde ich total [piep]!« Ach, das war die Werbung?! Ich fühlte mich auch schon überfordert.

»Das scheint ein reiner Frauenfilm zu sein. Ich sehe hier keinen Mann.« Irritiert schaute ich mich um. Der Kinosaal war fast voll, aber ich konnte kein männliches Wesen, außer mir natürlich, entdecken. Gerade wollte ich mir darüber den Kopf zerbrechen, wie ich damit umgehe, da betrat eine Frau in Begleitung eines Begleiters den Saal. Den Jubelschrei konnte ich so eben noch unterdrücken. Schließlich war ich noch bei der Bewertung der Situation. Als der Eismann dann durch war, ging´s endlich los.

Fragt mich jetzt bloß nicht, wie der Film heißt. Ich weiß es nicht. Ein Ehepaar möchte einen gut aussehenden Mann mit einer Frau verkuppeln. Die Frau ist mit der Frau des Paars befreundet, der Mann mit dem Mann. Oder so. Wie man sich denken kann, klappte das nicht auf Anhieb. Man soll ja auch seine Zeit im Kino absitzen. Dann ein dramatischer Höhepunkt: Das Ehepaar verstirbt nach einem Unfall. In ihrem Testament haben sie festgelegt, das einjährige Kind nebst Luxusvilla erben besagte Freundin und der schöne Mann. Das führt zu allerlei Verwirrungen und Verrenkungen, aber am Ende lieben sie sich, und alle sie.

Beim Rausgehen dann noch eine Suggestivfrage: »Du musst doch zugeben, der Film ist kurzweilig.« »Ja, so kurzweilig wie „der Landarzt“ mit Überlänge. Oder wie die lange Nacht mit dem „Bergdoktor“. Ich glaube, ich habe alles verstanden. Das tat richtig gut.« Manchmal hilft die Medizin ja auch der Ärztin.