Brauchen wir die Typografie?

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Einfache
Anführungszeichen

Späte Liebe nennt man das wohl. Denn erst vor drei, vier Jahren entdeckte ich sie für mich. Die Liebe zum Schreiben. Ein Freund hat uns verkuppelt.

Er war es auch der mir damals erklärte: »Du, was du da oberhalb der ‚2‘ links oben auf der Tastatur siehst, ist kein Anführungszeichen, das ist ein Zollzeichen.« Das war mir neu.

Natürlich habe ich ihn gleich gefragt, wo denn die „richtigen“ Anführungszeichen auf der Tastatur zu finden sind. Die Antwort überraschte mich nicht: »Das kommt darauf an…«

Mir wurde bewusst, dass es hier ein großes Feld gibt, welches ich unbedingt mal wieder „beackern“ sollte.

Wann werden Anführungszeichen und wann Halbe Anführungszeichen verwendet? Wie werden Anführungszeichen bei Hervorhebungen oder in Verbindung mit anderen Satzzeichen gesetzt? Wann kommt der Bindestrich und wann der Halbgeviertstrich zum Einsatz? Wie war das mit den Auslassungspunkten? Und: Wie erzeuge ich die typografischen Zeichen mit der Tastatur?

Es sind also zwei Felder, die es für mich zu „bestellen“ galt. Das Thema „Rechtschreibung und Zeichensetzung“ und das Thema „Typografie“.

Thematisch sensibilisiert begann ich zu beobachten und nachzufragen, wie meine Mitmenschen das handhaben. Mein Fazit: Auch hier ist die Welt kunterbunt. Alles scheint möglich. Aber ist auch alles gut?

In seinem Artikel „Typographische Verrohung“ fragt Markus Schlegel:

Prägen nicht die User das Medium? […] nicht nur einfache (Micro-)Blogger oder Forenuser missachten die alten Regeln, auch große Nachrichtenportale setzen selten korrekt. Ist diese Entwicklung tatsächlich so schlimm? Oder sind es nicht die Nutzer, die ein Medium entwerfen? […] Und fällt das Argument der besseren Lesbarkeit nicht sowieso raus? […] Müssen Webdesigner also umdenken? Sollte man bewusst auf korrekte – d.h. alte – Typografie verzichten? […]

Brauchen wir die Typografie? Ja. Ich lese gern. Mir ist es wichtig, dass mein Lesefluss nicht durch überbordende Textgestaltung gestört wird.

Es gibt Webangebote, worin ich gerne häufiger lesen würde, das aber vermeide weil ich das Gefühl habe, dass mir dort die Netzhaut abgesprengt wird. Die Autoren dieser Seiten sind äußerst kreativ – nur achtsam sind sie meines Erachtens nicht.

Ich glaube es gibt „Regeln“ die nicht wir, sondern unsere Wahrnehmung festsetzt. Die Wahrnehmung differiert zwar von Mensch zu Mensch, wenn aber von 1000 Menschen 900 an den gleichen Stellen aus dem Lesefluss geraten, dann empfiehlt es sich, diese Hürden nicht zu benutzen wenn ich möchte, dass auch die übrigen 900 Leser meine Website künftig wieder aufrufen.

Wir brauchen die Typografie für barrierefreie Webangebote.