Berlin und so weiter

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Eine Grafik mit den Silben Bärl, Kam und
iner.

„Ein Reiseführer für faule Touristen“ ist unter dem Titel des Buches „Ich bin kein Berliner“ von Wladimir Kaminer zu lesen. Ich bin nicht mal ein fauler Tourist. Trotzdem wollte ich wissen, was faule Touristen in Berlin erwartet.

Es gibt kaum ein Themenfeld, das Wladimir Kaminer mit seiner schelmischen, bisweilen auch augenzwinkernd-provozierenden Art in seinem Touristenführer nicht „bereist“. Er berichtet von Berliner Kneipen, Kindern und Kriminalität sowie von Minderheiten, Mode und Musik – um nur einige „Sehenswürdigkeiten“ von Berlin aus seinem touristischem Programm zu nennen.

Es sind sicherlich nicht nur die Vergleiche mit der Heimat des Autors, der Sowjetunion, die diesen „Reiseführer“ von anderen unterscheidet. Wenn ein „Kein-Berliner“ über Berlin referiert, könnte das auch die Authentizität erhöhen.

In dem Buch stellt Wladimir Kaminer seinen derzeitigen Wohnort Berlin immer mal wieder im Kontext mit anderen Bundesländern, zeigt Unterschiede zwischen Ost und West auf und schält dabei heraus, was seines Erachtens typisch deutsch ist.

Beispielsweise schreibt er im Kapitel „Die Fußballstadt“: „Das Fußballfieber ist die graue Eminenz, die dieses Land heimlich regiert.“ Seines Erachtens nimmt man in Deutschland den Fußball zu wichtig. Er hat jedoch erkannt:

Der deutsche Fußball bietet jedem etwas. Die Bürger haben die Möglichkeit entdeckt, ihren regionalen Patriotismus auszudrücken, ohne gleich als Rechte durchzugehen, und die Politiker sehen in ihm eine Chance, die Menschen von ihrer Politik abzulenken und den Laden zusammenzuhalten.

Außerdem gesteht Wladimir Kaminer, dass er, der sich früher lieber Sumokämpfe angesehen hat weil Fußball ihm zu zappelig war und zu viel Lärm erzeugt, sich ein bisschen vom Fußballfieber hat anstecken lassen.

Ich denke an dem Beispiel lässt sich gut erkennen, dass sein „Reiseführer“ nicht nur für Berlin-Touristen Gewinn bringend ist.