Auch das Digitale hat Grenzen

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Mit ein paar Tagen Distanz werfen die Proteste zu Stuttgart21 ziemlich viele Fragen auf.

…leitet Rouven seinen Artikel „Die #S21-Livewebcam und der Einfluss auf den Volkswillen“ ein. Ich muss gestehen, dass ich nicht sehr viel zu dem Thema Stuttgart21 (#S21) gelesen habe. Schon deshalb steht es mir eigentlich nicht zu, Position zu beziehen. Aber Rouven geht es in seinem Artikel nicht um Pro und Contra von #S21, sondern um den Einfluss der „neuen“ Medien:

Es ist selbstverständlich zu begrüßen, dass im Hinblick auf die Stuttgart-Demo über die Blogs (egal, ob Makro oder Micro) einiges an Aufklärungsarbeit passiert ist. Ich kann mich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass hierüber “die andere Seite” gar nicht zur Sprache kommt.

Diesen Eindruck hatte ich anfangs auch. Allerdings glaube ich, dass es daran liegt, dass Rouven, sicherlich noch mehr als ich, einen großen Teil der Informationen aus dem Netz bezieht. Menschen die sich nur über eine lokale Tageszeitung, über ihren Radio-Haussender und über die klassischen Fernsehsender informieren, würden, wenn sie zufällig den Artikel lesen würden, nicht erkennen, was Rouven in seinem Artikel kritisch hinterfragt.

Vielleicht war es im Nachhinein betrachtet gar nicht schlecht von den etablierten Medien à la ARD und ZDF, sich erst einmal ein paar Stunden zur Analyse zu gönnen.

…schreibt Rouven weiter. In dem Artikel der taz.de „Dieser Mann hat nur einen Trick“ über Sascha Lobo habe ich einen Satz gelesen, der meines Erachtens in die gleiche Richtung deutet.

Und das Digitale hat Grenzen. Angewidert sei er gewesen, erzählt Sascha Lobo, als zwei Stunden nach der Loveparade-Katastrophe auf Blogs und Twitter schon die Schuldfrage geklärt schien. Da müsse man auch einfach mal schweigen.

Gestern Abend unterhielt ich mich mit einer Freundin über den Artikel „Ernst Elitz, ein Ausrufezeichen gegen Muslime“ von Stefan Niggemeier. Im Verlaufe des Gespräches zeigte sie sich sehr verärgert über die extreme polemisierende Art von vielen Parteien, Politikern und Kommentatoren (wobei sie nicht Stefan Niggemeier meinte).

Warum erzähle ich das alles? Das Internet ist das (möglicherweise einzige) Medium, das Demokratie neu beleben kann. Nur über das Internet kann jeder, sofort Stellung beziehen. #S21 ist ein Beispiel dafür. Aber ist #S21 ein gutes Beispiel? Ich befürchte nicht.

Mein Eindruck ist, das viele Menschen, und besonders die, die kaum im Netz unterwegs sind, Angst haben vor dieser neuen, gewaltigen Meinungsbildung, die sich überall und jederzeit formieren kann. Und was machen Menschen wenn sie Angst haben und nicht im Thema sind? Die Tür zu, die Tür abschließen, den Schlüssel verstecken – Stichwort: Internetsperren.

Beispiele wie sie um #S21 zu lesen sind, sind für die „Ängstlichen“ Wasser auf den Mühlen ihrer Politik des Absperrens. »Wo kommen wir da hin, wenn jetzt jeder seinen geistigen Müll raushaut?«

Tief durchatmen, bis zehn zählen, „…sich erst einmal ein paar Stunden zur Analyse zu gönnen…“ ist häufig die bessere Strategie – auch für die Digitalen, für Blogger, Twitterer & CoKG. Denn auch „das Digitale hat Grenzen“. Statt Polemik, mehr Sachlichkeit, statt Vorverurteilung, mehr Argumente…