Was war er für ein Mensch?

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Eine Tafel die an die 1.200 Jahr-Feier in Lügde erinnert, in der
Bild-Mitte thront Karl der
Große

„SiebenAchtVier war Karl der Große hier“ – in Lügde. Im Jahr 784 feierte er in Lügde das Weihnachtsfest – in diesem Jahr also vor 1225 Jahren.

Wenn das so ein bedeutendes Ereignis für Lügde war, frage ich mich: Was war das für ein Mensch, der schon zu Lebzeiten den Beinamen „der Große“ bekommen hat 1?

Am Weihnachtstag des Jahres 800 zum Kaiser gekrönt, auf Initiative von Barbarossa 1165 heilig gesprochen und als „Pater Europae“ verklärt, war er ein Mann von offenkundig beträchtlicher Bildung. Er gilt seit dem Mittelalter als einer der bedeutendsten Herrscher des Abendlandes. Deutsche wie auch Franzosen führen die Anfänge ihrer Nationalgeschichte auf ihn zurück 1.

Aber er war auch ein Mensch, der auf Widerstand mit brutaler Repression geantwortet hat, der Deportationen als Mittel zur Unterwerfung eingesetzt haben soll und der 782 die Capitulatio de partibus Saxoniae erlassen hat – ein Gesetz zur Zwangschristianisierung. Sogar in der engsten Umgebung Karls stieß seine Rigorosität auf Vorbehalte. […] Karls Brutalität und Kompromisslosigkeit trugen ihm den wenig schmeichelhaften Beinamen „Sachsenschlächter“ ein. [2] – Aus der Capitulatio de partibus Saxoniae:

7. Todesstrafe erleidet der, der nach heidnischem Brauch Leichen bestattet, indem er den Körper den Flammen preisgibt.

8. Sterben soll, wer Heide bleiben will und unter den Sachsen sich verbirgt, um nicht getauft zu werden oder es verschmäht, zur Taufe zu gehen.

4. Sterben soll, wer die vierzigtägigen Fasten vor Ostern in Verachtung des christlichen Glaubens bricht und Fleisch ißt. Aber es soll vom Priester geprüft werden, ob er nicht durch Not gezwungen war, Fleisch zu essen.

Was wäre passiert, wenn Karl der Große in Lügde nicht zu Weihnachten, sondern zu Ostern hier aufgekreuzt wäre? Hätte ihm der Osterräderlauf auch gefallen? Denn über den Osterräderlauf in Lügde wird gesagt, dass der heidnisch-germanische Sonnenkult als Vorläufer dieses Brauchtums gilt.

Der Überlieferung nach soll Karl der Große an der Stelle seines Lagers den Grundstein zu der ersten Kilianskirche gelegt haben2 – sie soll eine der ersten Kirchen des Sachsenlandes sein3. Hätte er das gemacht, wenn er von dem „Brauchtum“ des Osterräderlaufs gewusst hätte? Vielleicht hat er die Kirche aber auch gerade deshalb errichten lassen: »So, hier wird jetzt erstmal eine Kirche hingebaut. Ab sofort seid ihr brave Christen so wie ich es einer bin und geht da regelmäßig rein und betet!«

Karl „der Große“ war alles andere als ein „guter Christ“. Er war ein Mensch, dessen Motivation hauptsächlich aus Machtgier bestand. Für seine wirklichen Ziele ging er, offensichtlich ohne jeden Skrupel, über Leichen – Karl der Sachsenschlächter.


  1. de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Große [return]
  2. Aus der Geschichte der Stadt Lügde von Edmund Schlieker I. Band 1950 [return]
  3. Aus der Geschichte der Stadt Lügde von Edmund Schlieker. Neu bearbeitet und fortgeführt von Josef Friese, II. Band 1983 Herausgeber: Stadt Lügde [return]