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Im Wald – Ein Strauch mit roten Beeren, darunter Farne, Bäume im
Hintergrund

Am Wochenende habe ich damit begonnen die Hainbuchen-Hecke, die mein kleines Hausgrundstück einfasst, zu schneiden. Damit mir die „perfekte“, gleichmäßige „Frisur“ gelingt, muss ich in vier Nachbar-Gärten „herumturnen“.

Wer sich für Gärten interessiert, dem wird auffallen, wie unterschiedlich die fünf Gärten sind. Ich denke, Gärten teilen etwas von ihrem Besitzer mit. Wie sie angelegt sind, welche Pflanzen sich darin befinden, wie intensiv sie „betreut“ werden – all das ermöglicht es, sich ein kleines Bild vom jeweiligen „Pflegepersonal“ zu machen.

Es ist doch faszinierend, wie oft wir etwas von uns mitteilen, ohne etwas zu sagen: mit der Kleidung, mit der Wohnung, mit dem Auto, mit der Schrift… und eben auch mit dem Garten.

Sich mitteilen zu dürfen, vielleicht auch mal ein bisschen deutlicher und lauter, ist für uns hier in Deutschland, selbstverständlich. In anderen Ländern sieht das ganz anders aus.

Sich mitteilen zu können ist ein elementares Bedürfnis. Wie groß dieser Bedarf ist, darüber bin ich mir bis vor ein paar Tagen nicht im Klaren gewesen.

Meine Mutter erzählte mir kürzlich wieder von einem Bekannten, der, nach einem schweren Sturz, sich weder bewegen noch sprechen kann. Er kann aber hören und sehen – und antworten – mit ja oder nein – mit ja, in dem er die Augenlider senkt.

An einem Morgen vor ein paar Tagen – ich lag noch im Bett und starrte sinierend die Decke an – dachte ich an diesen armen Menschen. Ich versuchte mich in sein „Leben“ hineinzuversetzen und mich bewegungslos zu stellen.

Es fällt nicht schwer, nicht zu sprechen, wenn es nicht nötig ist. Aber wie mache ich auf mich aufmerksam, wenn ich es nicht kann?

Vielleicht ermöglicht man es mir zu lesen, ich kann auch Radio hören, mein Besuch erzählt mir viele Dinge – aber wie kann ich meine Gedanken, meine Meinung, meine Ideen artikulieren? Wie kann ich von mir erzählen?

Augen auf, Augen zu – weinen Tränen.