Von Hasen und Kaninchen

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Grafik - ein Hase der den Mund
verzieht

Lernen ist ein tolles Gefühl. Manchmal allerdings lernt Mann mit Schmerzen. So wie ich heute.

Bislang habe ich immer geglaubt, wenn Mann einen Kosenamen hat, ist jener klar im Vorteil. Soll heißen, dann wird Mann bevorzugt.

Eine Kollegin von mir spricht mich, wenn wir allein in einem Büro sind, oft mit „Hase“ an. Natürlich schmeckte mir das bislang wie eine zusätzliche Scheibe Käse auf dem Pausenbrot.

Doch heute kam die Ernüchterung: Derweil ich mich mit ihr unterhielt, spradderte ein Kollege in den Raum und textete ohne weitere Formalien drauf los. Ihm war mal wieder eine Gemeine Küchenschabe über die Bauchspeicheldrüse getanzt.

Meine Kollegin, ganz Frau, versuchte ihn äußerst diplomatisch zu beschwichtigen. Dabei rutschte ihr, leise aber vernehmlich, die Anrede „Hase“ raus. Das entsetzliche daran ist, so wird sie ihn nicht das erste Mal angesprochen haben.

Für ihn schien dieser Kosename, auch in seiner Rage, völlig selbstverständlich. Ja, ich meine sogar, dass der „Hase“ bei ihm eine wundbalsamähnliche Wirkung entfaltet hat. Meine Kollegin, ganz Frau, registrierte unmittelbar, dass ich ihren Fauxpas nicht überhört hatte. Doch gerade weil sie versuchte, ihn mit einigen Schleifen in ihren Ausführungen zu kaschieren, und weil sie den „Hasen“ nicht wiederholte, hat sie sich verdächtig gemacht.

Ganz Mann, mit beiden Füßen fest in den Schuhen stehend, wartete ich ab, bis die verbalen Streicheleinheiten meiner Kollegin ihre Wirkung entfalteten und mein Kollege, in wohlige Worte gebadet, den Raum verlassen hatte.

Kampferprobt, die Seele mit Narben übersät, sprach ich meine Kollegin auf ihre „Langohren-Farm“ an. Zunächst ein kurzes Drucksen, doch gleich drauf die Schultern gestrafft flötete sie mir zu: »Ach Hase, Du bist doch mein großer Hase.«

Nie wieder lasse ich mir von einem Kosenamen den Blick verklären. Vor allem der „Hase“ kann sich ganz schnell wie Kaninchen vermehren.