Von Alternden und Eingeständnissen

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Grafik mit dem Text - Alles Relativ Oder
Was?

Er gesteht: »Aus dem Alter bin ich raus«. Ich entgegne: »Komm Du erstmal in mein Alter«. Wer hat Recht? Ein Jurist würde vermutlich folgern: »Jüngeres Recht bricht älteres Recht.« Falsche Antwort! (Ich bin der Ältere.)

Fest steht, und da bin ich mit mir mal einig, meine Chance in sein Alter zu kommen ist gleich null. Ich behaupte sogar, unmöglich! Wohingegen er es locker schaffen könnte, mein biblisches Alter zu erreichen.

Indessen ist sein Eingeständnis “aus einem Alter raus zu sein”, wortwörtlich betrachtet, immer zutreffend. Das Wort, das ich vor diesem getippert habe, ist auch älter und schon aus dem Alter raus, in dem es vorhin noch war.

Aber: “Aus dem Alter bin ich raus” schließt im sprachgebräuchlichen Sinn nicht aus, wieder in das Alter reinzukommen. Ich erinnere an all die distinguierten Herren, die sich später doch wieder mit leuchtenden Augen, die Lokführer-Mütze tief in die Stirn gedrückt, vor der Spielzeug-Eisenbahn eingefunden haben. Denn: “Alter schützt vor Torheit nicht”.

Ich halte fest: Das Eingeständnis aus einem Alter raus zu sein

  • trifft zeitlich gesehen immerzu zu zu zu - ist also nix besonderes,
  • hat sprachgebräuchlich nur einen temporären Wert - ist unter diesem Aspekt ebenfalls wenig bedeutsam.

So viel zum besagten Eingeständnis. Doch was ist mit dem Altersunterschied?

Die Größe eines Altersunterschiedes ändert sich nie. Aber:

Mein ehemaliger Kollege, also der, der aus dem Alter raus ist, ist um die 15 Jahre jünger als ich. (Früher soll ich ihn etwas hochnäsig belächelt haben. Ich kann das kaum glauben. Ich führe das unter Jugendsünden.) Trotzdem wird er mich mit seinem Wissen heute mühelos an die Wand texten.

Dagegen zählt Helmut Schmidt fast doppelt so viel Lenze wie ich. Gleichwohl ist er an die neunmal klüger.

Ein ernüchterndes Zwischenergebnis: Er, jünger, ist schlauer. Helmut Schmidt, 90, ist auch intelligenter. Aber ist Helmut Schmidt schöner als ich? (Seid vorsichtig was Ihr jetzt scheibt.)

“Alter geht vor Schönheit”, wird erzählt. Das stützt die allgemein gefühlte Annahme: Wer jünger ist, ist auch schöner. Was aber ist, wenn “Alter” jünger als “Schönheit” ist - also wenn, rein hypothetisch natürlich, Helmut Schmidt, der Äonen älter ist, auch schöner wäre als ich?

Ich sehe schon, heute wird das noch nichts mit einem fulminantem Fazit.