Unerwünscht?

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Die Blätter einer
Magnolie

Welcher Politiker sagt dem Wähler schon die Wahrheit - die ganze Wahrheit?

Nuja, sage ich dem Vorgesetzten oder einem Kunden immer die ganze Wahrheit? Meine Wahrheit.

Meine ganze Wahrheit

  • wem kann ich sie überhaupt vor die Füße werfen? Als unzufriedener, genervter Kunde dem Verkäufer, als Vorgesetzter meinen Mitarbeitern?

Ja, dann könnte ich sie raushauen. Denn dann brauche ich nicht prüfen, ob meine Wahrheit, meine Kritik, gerechtfertigt ist. Konsequenzen bräuchte ich nicht zu fürchten. Der Kunde ist König und der Vorgesetzte hat immer Recht.

Und ich? Wie viel Wahrheit vertrage ich?

Will ich eigentlich die ganze Wahrheit meiner Mitmenschen hören - als Verkäufer vom genervten Kunden, als Mitarbeiter vom Vorgesetzten, als Politiker von den Wählern? - Wer darf sie mir sagen? Wie viele sind das?

Ohne die ganze Wahrheit

müsste es doch ziemlich unvollständig sein, das Bild, das meine Mitmenschen von mir haben? Und - passt eigentlich das Bild, das ich von ihnen habe? Könnte es sein, dass es ziemlich unstabil ist - das Fundament meiner Wahrheit?

Die ganze Wahrheit

  • will ich ich sie wirklich wissen? Ist es nicht viel leichter, im eigenen Nebel der Unvollständigkeit zu leben - zu meckern? Unvollständig, weil ich vorhandenes Wissen verdränge und weil ich nicht bereit bin zu wissen, zu lernen - und weil ich mich nicht verpflichtet fühlen will, selbst entsprechend zu handeln?

Also, warum sollten mich die Politiker über die ganze Wahrheit informieren, wenn sie mir eh nicht in den Kram passt? Warum sollten sie dann mit mir reden wollen?