Rupien! Rupien!

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Die Blüte eine
Schachbrettblume

Mit der knappen Aufforderung: »Lies mal!«, drückte mir meine an „Bollymie“ erkrankte Freundin kürzlich ein Buch in die Hand. Nach einem kurzen Blick auf den Deckel und den Titel des Buches quittierte ich den Transfer mit einem entsetztem, gleichwohl müden: »Oh, nein«, statt mit einem Dank.

Ich kannte das Buch nicht. Ich sah nur die indisch anmutende Umschlaggestaltung, registrierte den Namen der indischen Währung und glaubte, dass dieses Buch ein erneuter Versuch ihrerseits sei, mich mit ihrer „Erkrankung“ zu infizieren.

Das Buch trägt den Titel „Rupien! Rupien!“. Der Roman von Vikas Swarup ist im vergangenen Jahr unter dem Titel „Slumdog Millionär“ verfilmt worden. Es ist ein sehr leicht zu lesender Roman, aber keine leichte Kost.

Ram Mohammed Thomas wurde als Baby ausgesetzt, hat nie eine richtige Schule besucht und musste sich die meiste Zeit seiner 18 Lebensjahre selbst darum kümmern, wie er zu Essen, zu Trinken und ein Dach über den Kopf bekommt.

Wie kann das sein, dass dieser junge Mensch in einer Quizshow alle 13 Fragen richtig beantwortet und so 1.000.000.000 Rupien gewinnt? Die Macher der Show haben Zweifel. Er muss ein Betrüger sein. Ram Mohammed Thomas wird verhaftet.

Scheinbar aus dem Nichts taucht eine junge Anwältin auf, die ihn verteidigen will. Nach kurzem Zögern beginnt Ram Mohammed Thomas ihr seine Lebensgeschichte zu erzählen. Es wirkt dabei ein bisschen wie Zufall, dass er jede Antwort in der Quizshow auf besondere Erlebnisse zurückzuführen kann.

Die Geschichten die Ram Mohammed Thomas seiner Anwältin erzählt, vermitteln einen Eindruck davon, wie unvorstellbar groß die Kluft zwischen dem Lebensstandard in den Slums von Indien und unserem hier in Deutschland ist.

Ich habe mich schon öfters gefragt, ob und wie sich mein Charakter ändern würde, wäre ich aus irgendeinem Grund ein reicher, bekannter, wichtiger Mensch.

Wann immer ich von dem Leben in den Armenvierteln dieser Welt lese, höre oder sehe frage ich mich ebenfalls, wie würde sich mein Charakter ändern, wenn ich, wie alle dort, jeden Tag ums nackte Überleben kämpfen müsste.