Nachgesang zum diesjährigen Varusjahr

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Silvio

Wer denkt schon, wenn er ein Buch mit dem Titel „Meine russischen Nachbarn“ liest, darin etwas über Varus, Arminius oder den Hermann zu finden? Aber Wladimir Kaminer, der Autor des Werkes, erwähnt sie tatsächlich, die „Hermannsschlacht im Teutoburger Wald“. Wobei er gewissenhaft darauf hinweist, das diese „aus Gründen der politischen Korrektheit“ in „Varusschlacht am Kalkrieser Berg“ umbenannt wurde.

Das Kapitel, in dem er die Schlacht thematisiert, hat er „Das russische Rebellen-Gen“ betitelt. In der Einleitung heißt es: „Jede Nation hat eine Geschichte, die am besten mit einer anständigen Schlacht beginnt, möglichst mit einer gewonnenen.“ Und die Deutschen, schreibt Waldimir Kaminer weiter, leiten ihre Geschichte gerne aus eben jener Schlacht ab.

Besonders bemerkenswert ist, wie Wladimir Kaminer das historische Ereignis bewertet:

Sicher hat diese Schlacht aus heutiger Sicht den Deutsche mehr geschadet als genutzt. Hätten diese Barbaren damals die Römer nicht geschlagen, wäre in Deutschland einiges anders gelaufen. Wir hätten zum Beispiel leckeres Risotto statt Klopse, guten Wein statt Bier und leidenschaftliche Liebesromanzen statt Blaskapellen als Volksmusik. Alle Nachrichtensprecher wären Blondinen mit großem Busen und die jungen Männer trügen dunkle Locken statt Glatzen. Aber die Germanen mussten ja den Römern zeigen, wer der Boss im Wald ist. Was haben sie nun davon? Döner Kebap!

Waldimir Kamir hat einen wunderbar leichten, flüssigen, humorvollen, zuweilen mit einer kräftigen Brise Ironie gewürzten Schreibstil. Es war das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe – mit Sicherheit wird es nicht das letzte gewesen sein.