Mythos Varusschlacht

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Eine Briefmarke mit einem Bild vom Hermannsdenkmal und der in
Kalkriese gefundenen
Reitermaske

»Ich überlasse es Dir, wie wir den Nachmittag gestalten.« Ihre Freude darüber drückte sie mit ihrer Musikwahl aus. Statt meine Toleranz mit der von ihr geliebten Bollywood-Musik zu trainieren, ließ sie Peter Fox die Belastbarkeit der Boxen ihres Autos testen.

Während der Fahrt berichtet ich ihr von den Briefmarken zur Varusschlacht, die mir meine Mutter voller Stolz gezeigt hatte. »Ein Krieg braucht nur lange genug zurückliegen, dann läßt auch der sich prima vermarkten«, ätzte ich, »gibt´s eigentlich schon Bettwäsche oder Toilettenpapier mit dem Hermannsdenkmal?« »Na, hast Du Dich jetzt auf das Thema eingeschossen?« In ihrem Schmunzeln meinte ich einen herablassenden Zug erkannt zu haben. »Eingeschossen – wie passend martialisch«, dachte ich laut.

»Ich habe mich entschieden. Du hast mich auf die Idee gebracht. Wir schauen uns die Ausstellung zur Varusschlacht im Lippischen Landesmuseum in Detmold an.« »Raffiniert!«, ich war überrascht und begeistert von ihrem „Schachzug“.

Wer mag das nicht, Musik, die mit einer Punktlandung auf die Gedanken und Emotionen trifft. Außerdem mag ich es manchmal theatralisch und getragen. Als wir auf den Parkplatz fuhren, ließ uns David Garrett seine Version von „Who Wants to Live Forever“ hören.

Unser Eindruck von der Ausstellung:

  • Wir waren spät dran und hatten nur rund eineinhalb Stunden Zeit für den Besuch der Ausstellung. Das Zeitfenster ist definitiv zu klein. Nach unserer Einschätzung sollte man mindestens die doppelte Zeit einplanen, wenn man sich eingehender mit der Ausstellung beschäftigen möchte.
  • Für den Rundgang haben wir uns einen Audioguide geliehen. Auch diese „Investition“ ist empfehlenswert. Die Audio-Informationen sind sehr umfangreich, aber gut verständlich. Übrigens, von vielen Exponaten lassen sich auch Audio-Informationen für Kinder abrufen, die lustig, gleichwohl fundiert sind.
  • Trotz der doch kleinen Ausstellungsfläche die dem Museum zur Verfügung steht, können die einzelnen Exponate oft noch gut für sich wirken.
  • Die Informationstafeln zu den Themenbereichen und die zu den einzelnen Exponaten werden ihrer Aufgabe durchweg gerecht; die Texte sind kompakt und anschaulich.
  • Die Medien, mit denen die jeweiligen Aussagen transportiert werden, sind abwechslungsreich und teilweise beeindruckend innovativ.
  • Die Exponat-Träger, also Vitrinen, Sockel, Rahmen und so weiter, sind schlicht und unaufdringlich, wobei die Kreativität nicht zu kurz gekommen ist.
  • Das Museums-Personal war sehr freundlich.

Einige Kritikpunkte:

  • An manchen Stellen, dort wo es der Raum zulässt, haben wir Sitzplätze vermisst: beispielsweise im Foyer, bei den Bildern von Peter Janssen.
  • Den Lärm, der von einigen geführten Gruppen ausging, empfanden wir als sehr störend.

Fazit:

Es mag dem zu kleinem Zeitfenster für unseren Besuch der Ausstellung zuzuschreiben sein, dass ich mich nicht auf eine Antwort zur Frage festlegen mag, ob die Ausstellung ihrem Thema „Mythos Varusschlacht“ gerecht wird. Mein überwiegend sehr positiver Eindruck von der Ausstellung möchte die Frage bejahen. – Denn:

Die Ausstellung ist äußerst kurzweilig und allemal einen Besuch wert. Ich werde sie mir bestimmt noch mal, dann jedoch mit mehr Zeit „im Gepäck“, ansehen.