Keine Fantasy-Romane

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Imperium Konflikt Mythos – 2000 Jahre Varusschlacht. Das klingt beeindruckend wuchtig.

Es mag ja sein, dass ich schrullig und verschroben bin, aber wenn ich mir das Bild- und Informationsmaterial zu den Veranstaltungen anschaue, gewinne ich den Eindruck, dass dort eine geheimnisvoll-schön-schaurige Geschichte „vermarktet“ wird: „Der lippische Herr der Ringe“. Aber: Die Varusschlacht ist kein Fantasy-Roman und kein Kinofilm mit Überlänge.

Nur am Rande habe ich die Beiträge verfolgt, in denen sich die Gelehrten um den Ort der Schlacht stritten. So ein Schlachtfeld „vor der Haustür“ scheint bei einigen Menschen begehrt zu sein: Das ist schließlich eine Attraktion und lässt sich wunderbar für den Tourismus „ausschlachten“.

Unabhängig davon, welchen „Meilenstein“ die Schlacht für die Geschichte gesetzt hat – es war eine Schlacht, ein Krieg, in dem vermutlich tausende Menschen den Tod gefunden haben. Das wird, so mein Eindruck, viel zu wenig deutlich gemacht.


SiebenAchtVier war Karl der Große hier (wir berichteten). Das liegt in diesem Jahr 1225 Jahre zurück und soll im nächsten Jahr „gefeiert“ werden.

Doch auch Karl der Große war meines Erachtens kein Guter.

[…] Aber noch gegen Ende des Jahres 784 hatte die Kriegslage ein so bedrohliches Aussehen, dass Karl sich zu einem Winterfeldzug entschloß. in zwei Heersäulen rückte das fränkische Herr heran. Die eine kam den Hellweg gezogen und gelangte […] in den Talkessel von Altenlügde diesseits der Emmer. Die andere […] traf, auf dem jenseitigen Ufer der Emmer maschierend, am Flusse bei Lügde mit der ersten zusammen. Dort machte man Rast zur Feier des Weihnachtsfestes. Das Heer rückte sofort nach Beginn des neuen Jahres 785 weiter […]

[Quelle: Geschichte der katholischen Kirche in der Grafschaft Pyrmont bis 1668]

Karl der Große hat Lügde nicht „besucht“, weil es hier so schön ist. Er führte Krieg gegen die Sachsen, gegen die „Heiden“, und hat hier lediglich eine kleine Verschnaufpause eingelegt. Ich kann mir vorstellen, dass er lieber an einem anderen Ort als Lügde Weihnachten gefeiert hätte. Aber der Erhalt und die Erweiterung seiner Macht war ihm wichtiger.

Ja, wir „verdanken“ diesem Ereignis, dass die damaligen „Werbestrategen“ unseren Ort wahrgenommen und ihn in ihren Berichten aufgenommen haben. Doch sollte man immer auch die Hintergründe klar herausstellen.

Quelle:

Geschichte der katholischen Kirche in der Grafschaft Pyrmont bis 1668 Mit Beiträgen zur Geschichte des Bistums Paderborn von Christoph Völker Für die Herausgabe bearbeitet von Hermann Engel Herausgeber: Stadt Lügde Seite 11