Kakophonie 2.0

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Ein Stofftier-Vogel zwischen
Grünpflanzen

Wie oft habe ich mich schon gefragt, was habe ich nur vom Twittern? Bis heute finde ich darauf keine Antwort. Trotzdem twittere ich weiter.

Das ist beinahe so, als würde ich die Zeitung mit den schlanken Texten abonnieren, nur aus Sorge, ich könnte etwas verpassen. Vielleicht haben besagtes Blättchen und Twitter auch sehr viel gemein.

Warum also Twitter, wenn ich doch schon „maile, chatte, skype, wave, simse, phone, blogge“? (Ich liebe die deutsche Sprache!)

Wir können uns nicht beklagen, an Möglichkeiten uns auszutauschen fehlt es nicht. Das ist meines Erachtens ein Privileg.

Die Kommunikation ist das Fundament für unser Miteinander. Da Twitter & CoKG reichlich genutzt werden, sollte man meinen, dass das für unser Wohl und unser Miteinander nur von Vorteil sein kann. Doch viele sind da skeptisch.

Zum Beispiel fragt Dirk in seinem Beitrag „Diskussionsansatz - Multitasking“: »Wisst Ihr Mittags noch, womit Ihr Euren Arbeitstag begonnen habt?« Und er fragt weiter:

Ist der Mensch villeicht noch gar nicht so weit, dass er alle diese Dinge ohne Schaden bewerkstelligen kann? Braucht die Menschheit vielleicht noch ein paar Generationen, damit sich das Gehirn auf diese Herausforderung eingestellt hat?

Warum ist fast jeder momentan so ausgebrannt, kaputt oder einfach nur geschafft? Können wir vielleicht gar nicht die Technik so nutzen, wie wir es derzeit tun?

Das klingt nicht, als seien die vielen Möglichkeiten sich auszutauschen von Vorteil.

Nehmen wir doch Twitter: Findet dort ein echter Informations-Austausch statt? Auf mich macht die Twitter-Voliere mehr den Eindruck als würden sich die „Vögelchen“ darin ihr Gezwitscher nur so um die Ohren hauen: »Friss Vogel oder stirb!« Das Twitter-Gestammel ist unglaublich kurzlebig, ja flüchtig.

Ich halte das für symptomatisch. Denn es hat sich etwas geändert dadurch, dass wir ständig und überall „twittern, simsen, phonen“:

  • Wir schreiben und reden wesentlich mehr – aber sehr viel häufiger auch aneinander vorbei.
  • Die „Tauschobjekte“, die Inhalte haben sich verändert. Sie sind flacher, banaler geworden.
  • Es wird zunehmend schwieriger, zwischen der Flut von gehaltlosen Texten brauchbare Informationen zu finden.
  • Außerdem kann das ständige „Switchen“, wie Dirk es nennt, zwischen den Kommunikations-Plattformen nervös, schlimmstenfalls sogar krank machen.
  • Ich behaupte zudem, dass unsere Sprache darunter leidet. Natürlich verändert sich eine Sprache im Laufe der Zeit. Aber durch die Twitter- und Simseritis wird sie zusätzlich abgeschliffen. Leider.
  • Und weil wir viel öfters laut denken, denken wir viel weniger nach.

Was haben wir von den vielen Kommunikations-Plattformen, wenn das dabei heraus kommt? Sind sie wirklich ein Segen – oder sind sie ein Fluch?

Ich glaube nach wie vor, sie sind ein Privileg. Denn keines dieser netten Spielereien hat mir verboten den Kopf zu benutzen. Es kommt darauf an, wozu und wie ich von den Angeboten Gebrauch mache.

Ganz verschließen kann ich mich diesen Medien allerdings nicht. Beruflich komme ich nicht umhin, E-Mails zu schreiben oder zu telefonieren. Aber muss ich an meinem Arbeitsplatz twittern? Muss beispielsweise eine Behörde twittern – zwitschern?

Amtsanmaßung ist ein strafbares Delikt. Ich überlasse das Zwitschern auch gern mal den zuständigen Experten.