Ich bin stolz

  • Von
  • ·
  • Geschätzte Lesezeit 2 Minuten

Ein Teil einer
Spinne

»Ich bin stolz auf mein Haus, mein Auto, meine Pferde…«, etwa so vermittelte es eine Werbung der Sparkasse.

Stolz, was ist das?

Wikipedia schreibt dazu:

Stolz [von mnd..: stolt = prächtig, stattlich] ist das Gefühl einer großen Zufriedenheit mit sich selbst, einer Hochachtung seiner selbst – sei es der eigenen Person, sei es in ihrem Zusammenhang mit einem hoch geachteten bzw. verehrten „Ganzen“. […]

Nun ist das ja mit den Gefühlen so eine Sache. Kann ich denen immer trauen? Darf ich immer stolz sein, wenn mir mein Gefühl das sagt? Zu den Fragen hatte Epiktet [1] folgende Antwort parat:

Sei auf keinen Vorzug stolz, der nicht dein eigener ist. Wenn ein Pferd in seinem Stolz sagen würde: >>Ich bin schön<<, so wäre das noch erträglich. Wenn du aber mit Stolz sagst: >>Ich habe ein schönes Pferd<<, dann wisse, dass du nur auf einen Vorzug eines Pferdes stolz bist. Was ist nun dein eigen? Der Gebrauch deiner Vorstellungen. Wenn du also beim Gebrauch deiner Vorstellungen dich in Übereinstimmung mit der Natur verhältst, dann sei stolz; denn dann wirst du auf einen Vorzug stolz sein, der wirklich dein eigen ist.

Ein Teil einer
Spinne

Epiktet spricht von dem Vorzug eines Pferdes - der Schönheit des Pferdes. Aber was ist mit dem Besitz eines Hauses, eines Autos, eines Pferdes - der Besitz ist doch auch ein Vorzug, und dazu mein eigener? Ich sage einfach: Ich bin stolz auf mein Auto, nicht weil es so schön ferrarirot ist, sondern weil ich es habe.

Außerdem, ich kann doch stolz sein worauf ich will. Warum sollte ich nicht stolz auf meinen Besitz sein? Gibt es etwa Grenzen beim „stolz sein“? Ob es dabei Grenzen gibt, und wo die liegen, kann jeder für sich selbst, in seiner „Abteilung Moral“, festgelegen.

Laut Epiktet kann ich, wenn ich mich beim Gebrauch meiner Vorstellungen in Übereinstimmung mit der Natur verhalte, stolz sein. Was er unter „Übereinstimmung mit der Natur“ versteht, lässt sich aus einer anderen Aussage von ihm schließen:

Eiktet zieht eine klare Trennlinie zwischen den Dingen die der Einzelne beeinflussen kann und den Dingen, auf die er keinen oder nur bedingt Einfluss hat. Dinge die der Einzelne voll und ganz beeinflussen kann sind, nach Epiktet, von Natur aus frei, die anderen nicht. Der Besitz ist für ihn nicht von Natur aus frei (siehe Zitat) - auch nicht das Ansehen oder eine Machtstellung.

[1] Quelle: Epiktet, Handbüchlein der Moral

Reclam-Verlag

Siehe auch: “Epiktet - Das Handbuch der Moral” im Internetangebot der Universität-Rostock.