Historische Verschwurbelungen

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Eine Grafik - darauf der Großbuchstabe
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Irgendwas wollte ich doch noch sagen. Ach ja, ich war ja „noch nicht durch damit“ – ich meine mit den hysterischen Verschwurbelungen.

Hatte ich erwähnt, das ich mich gern als Selfmade-Historiker betätige? Wenn nicht, dann jetzt. Nebenbei: Freizeitprofis fühlen wie jede Home Edition – sie wären gerne eine Vollversion…

Also: Wir hatten den Friedrich-Wilhelm-Weber, das ist der mit der langen Straße. Von Haus aus war er Arzt, Politiker und Dichter. Und er ist hier in der Gegend, in Alhausen, heute ein Ortsteil von Bad Driburg, geboren. Will sagen, er hat ganz in der Nähe von Lügde, meinem geliebten Heimatort, gewirkt. Darum haben wir hier auch eine Staraße nach ihm bemannt. Macht doch Sinn.

Dann hatten wir den Karl, Karl den Großen, der in etwa so groß war wie die Ehefrau des französischen Staatspräsidenten, Carla Bruni. Darum hieß der Karl auch nur Karl der Große und nicht Carl der Hübsche. Denn so schön wie die Carla war er bestimmt nicht. Hinweis: Das kann ich derzeit aber noch nicht fundiert belegen.

Heute füge ich meinen historischen Ausführungen einen weiteren Protagonisten hinzu.

Zu seinem Profil (ich war so frei und habe mich bei facebook.com bedient): Er war Herzog der Sachsen und er war lange Zeit überhaupt kein Freund vom Karl. Sein Name: Widukind. Immer wieder haben er und Karl der (wäre gerne hübsch, war aber nur der) Große sich in den Haaren gehabt:

Als Widukind aus dem dänischen Exil heimkehrte und zum Aufstand rief, hatte er alle sächsischen Stämme hinter sich. Wieder brannten die Kirchen, christliche Herren und Grafen wurden umgebracht, ein fränkisches Aufgebot konnte 782 am Süntel geschlagen werden. Mit einem mühsam zusammengebrachten Entsatzheer zog Karl wieder nach Sachsen.

[Quelle: www.ottonenzeit.de] Das besagte Blutgericht von Verden, 782, war unmittelbare Folge dieser Auseinandersetzung:

Karl soll auf den hartnäckigen Widerstand mit brutaler Repression geantwortet haben, unter anderem mit dem berüchtigten Blutgericht von Verden 782 (siehe auch Verden (Aller)), bei dem angeblich tausende Sachsen enthauptet wurden.

[Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Sachsenkriege_(Karl_der_Große)]

Widukind entging dem Blutbad, indem er sich wieder in den Norden absetzte. Er setzte den Guerillakrieg gegen die Franken und die eigenen Adligen fort, aber sowohl 783, als auch 784 mit den Westfalen gegen den Sohn Karls, auch Karl geheißen, wurden bedeutende Feldschlachten verloren, Widukind wurde kreuz und quer durch das Land gehetzt.

[Quelle: www.ottonenzeit.de] – Anmerkung des Home-Edition-Historikers und Wiederholung des vorangegangenen Kapitels: Die Zeit um 784 stelle ich deswegen so heraus, weil vor 1225 Jahren, nämlich im Jahr 784, Karl der Große hier in Lügde eine Weihnachtsgans ganz verspeist haben soll. Lügde gehört zu NR-Westfalen und liegt direkt an der Landesgrenze zu N-Sachsen. – Doch nun zu einem bemerkenswerten, historischen Fallrückzieher:

Trotz ihrer kämpferischen Einstellung gerieten die Sachsen in der Folge immer mehr in Bedrängnis. Die Wende trat allerdings erst ein, als Widukind sich 785 (vermutlich in der Pfalz Attigny) taufen ließ und den Treueeid auf Karl, der als Taufpate fungierte, leistete.

[Quelle: de.wikipedia.org] Hat man dafür noch Worte? „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“, hätte meine Oma mir geantwortet.

Und nun zum Finale:

Im vorhergehenden Kapitel hatte ich kurz das Versepos Dreizehnlinden von Friedrich Wilhelm Weber angesprochen:

Zum Weihnachtsfest 1877 schrieb in der ländlichen Abgeschiedenheit sein Hauptwerk, das Versepos “Dreizehnlinden”, dass er seiner Tochter Elisabeth unter den Weihnachtsbaum legte.

Dieses im September 1878 erstmals aufgelegte Werk machte Weber mit einem Schlag als Dichter berühmt. Bereits 1880 ehrte ihn die Universität Münster mit der Ernennung zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät.

[Quelle: www.friedrich-wilhelm-weber-gesellschaft.de] – Dreizehnlinden ist zu Weihnachten entstanden. Und Weihnachten vor 1225 Jahren hat Karl der Große hier in Lügde Bratäpfel und Spekulatius gegessen. Interessant, nicht wahr? Es gibt keine Zufälle.

Noch mal eine kleine Wiederbelebung: In Dreizehnlinden thematisiert Friedrich Wilhelm Weber auch das von Karl dem Großen veranlasste Blutgericht von Verden (782). Das, wie oben ausgeführt, Folge des hartnäckigen Widerstandes von Widukind gewesen sein soll.

Fazit:

Ausschließlich aus diesem Grund mündet in Lügde die Friedrich-Wilhelm-Weber-Straße in die Widukindstraße. Eine Karlstraße haben wir selbstverständlich auch. Sie ist aber nur kurz, darum heißt sie ja auch nicht Karl-der-Große-Straße.

Das hat der Karl nun davon.

[Eine Fortsetzung ist zu befürchten.]