Ein Mann von Welt?

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Grafik - der Umriss eines
Kopfes

Auf der Wahlparty, am vergangenen Sonntag, traf ich einen lieben Bekannten. Ich hatte ihn etliche Jahre nicht gesprochen. Er hat es, wie es so schön heißt, zu etwas gebracht. Ja, ich meine schon, dass er kein unbedeutender Politiker ist.

Wie dem auch sei. Nach der Begrüßungszeremonie mit traditioneller Umärmelung ergab sich in etwa dieser Dialog:

Er: »Und du? Bist du verheiratet?«

Ich, lachend: »Nein.«

Er: »Geschieden, getrennt lebend?«

Gesagt hat er es nicht, aber ich bin davon überzeugt, dass in der Frage auch eine väterliche, ermutigende Aufforderung mitgeschwungen ist: „*Das gehört dazu!*“

Ich: »Nein! Gott bewahre.«

Zuweilen kokettiere ich gern auch mal mit meiner katholischen Erziehung.

Er: »Kinder?«

Bei dieser Frage meine ich bereits einen ungeduldigen Ton in seiner Stimme vernommen zu haben.

Ich: »Leider nein.«

Er: »Nicht eines?«

Sicher, der Frage immanent ist der Hauch von Verzweiflung. Aber: Seine Gesichtszüge waren die ganze Zeit unverändert - ein breites, freundliches Lächeln. Voll der Polit-Profi, dachte ich bis dahin.

Ich, kleinlaut: »Nein.«

Mist, das Gespräch läuft auf den Abfluss zu, schoss es mir durch den Kopf.

Er: »Und, was hast du sonst so gemacht?«

Da war ich mir sicher, aus seiner Stimme etwas Resignierendes herausgehört zu haben. Auch hatte ich den Eindruck, dass er längst nach einem interessanteren Gesprächspartner Ausschau hielt – obwohl seine Augen unverändert auf mich gerichtet waren.

Ich wollte im Spiel bleiben. Verzweifelt suchte ich in meinem „Lebens-Blatt“ nach einer guten Karte. Dann schoss es mir über die Lippen:

»Ich bin beratungsresistent!«

Lauter Jubel brach aus. Jeder im Saal blickte in unsere Richtung. Damit hatte ich nicht gerechnet. Erstaunt schaute ich mich um. – Der Beifallssturm galt jedoch nicht mir. Fast genau hinter mir stand der neu gewählte Bürgermeister. Gerade wurde er von mehreren Damen mit Blumen und diversen Gesichtskontakten überschwänglich beglückwünscht.

Zusammenfassung:

Der Mann von Welt ist wenigstens einmal geschieden und hat mindestens ein Kind (irgendwo). Ob die Beratungsresistenz als subjektives Tatbestandsmerkmal auch in den Katalog gehört, habe ich bislang nicht genügend fundiert erotisieren können. Doch es scheint einen Trend dahingehend zu geben.

Zusammenfassung II

und zugleich Antwort auf die Eingangsfrage: Nein. Mir fehlt es an mindestens zwei Voraussetzungen.