Der Todesgott und ein Richter

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Thanatos - der Todesgott - zwischenzeitlich habe ich das Buch durchgelesen.

Ich glaube schon, dass in jedem Buch auch ein Spiegelbild des Autors zu erkennen ist. Helmut Krausser, der Autor des Romans Thanatos, ist zweifellos von hoher Intelligenz. Wenn ich jedoch den Eindruck habe, der Autor möchte das immer mal wieder zwischen den Zeilen herausstellen, finde ich das störend - es lenkt ab.

Klar frage ich mich dann: Bin ich zu schlicht strukturiert, oder darf ich wirklich dem Schreiber einen Vorwurf machen? Möglicherweise ist es ja vom Autor beabsichtigt, nur „gebildete“ Leser anzusprechen.

In dem Buch Thanatos war es, wie schon erwähnt, die hohe Dichte der Fremdwörter, die mich irritierte, ablenkte.

Wenn ich ein Fachbuch zur Hand nehme, muss ich damit rechnen, dass ich viele Begriffe noch „nachschlagen“ muss. Aber muss das auch bei einem Roman so sein?

Wie auch immer, es ist möglich, eine gute Geschichte zu erzählen und gleichzeitig zu informieren und Begeisterung zu wecken. Das bekannteste Beispiel ist wohl das Buch „Die Säulen der Erde“ von Ken Follett.

Als ich 1992 den Schmöker gelesen habe, war ich beeindruckt davon wie es Ken Follett gelungen ist, eine sehr spannende Geschichte zu erzählen und gleichzeitig detailliert aber fesselnd über die Kunst der Steinmetze und über die sich wandelnden Baustile zu informieren. Ich bin heute noch dankbar: Das Buch hat mein Interesse an der Architektur von Sakralbauten geweckt.

Sicher, in erster Linie lese ich Romane, weil ich unterhalten werden will. Die schönsten Bücher sind für mich aber die, die gleichzeitig informieren. Wenn diese Informationen noch so transportiert werden, dass sie mich faszinieren, ist das für mich höhere Schreibkunst.

Zurück zum Thanatos - Auch wenn das Buch sehr eigenwillig ist, etwas daraus für mein Leben mitnehmen, konnte ich indes nicht.

Der Schreibstil ist über weite Strecken sehr „kurvenreich“, womit ich meine, dass der Autor viele hochinteressante Vergleiche, Metaphern findet. Ich mag so etwas.

Vergeblich wird der Leser in dem Buch nach etwas suchen, mit dem er sich identifizieren kann, einen Held zum Beispiel, mit dem er sich durch die Unwegsamkeiten des „Lebens“ kämpfen kann. Der Roman kommt gänzlich ohne Sympathieträger aus. Das macht es meines Erachtens schwerer für ein Unterhaltungswerk, da ihm eine „tragende Säule“ fehlt.

Die Handlung wirkt ziemlich krude, was aber nicht daran liegt, dass sie völlig irreal ist. Dieses Bild prägen die Eigenarten der Akteure, die der Autor, ohne ausufernd dabei zu werden, geschickt in die Geschichte einfließen lässt. Bis auf die des Protagonisten sind die Charaktere nicht unbedingt außergewöhnlich. Dennoch sind fast alle „Darsteller“ innerlich mehr oder weniger zerrissen, und stehen sich dabei nicht nur selbst, sondern auch gegenseitig im Weg - „Leben ungeschminkt“, um es kurz zu sagen.

Ich versuche gerade das Gefühl zu beschreiben, dass mich wie ein roter Faden durch das Buch beschlichen hat - es war kein schönes. Manchmal war es die Gewöhnlichkeit der Akteure, die bei mir ein Gefühl von leichter Übelkeit erzeugten. Die schockierenden Szenen klammere ich hier aus, sonst nehme ich potentiellen Lesern noch den Spass.

Das Buch Thanatos von Helmut Krausser ist „nicht normal“; ich konnte es keiner der mir bekannten „Schubladen“ zuordnen - es bekommt eine eigene.