Der Schatten des Windes

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Tipp

Nein, nein, gemeint ist jetzt nicht der Windschatten, in dem der gewiefte Radfahrer sich gern mal ein bisschen „erholt“; gemeint ist hier der Roman von Carlos Ruiz Zafón. [1]

Das ist nicht irgendein Roman, nee, den hat angeblich schon unser Ex-Außenminister Joschka Fischer gelesen. Und der soll über ihn gesagt haben: »Sie werden alles liegenlassen und die Nacht durchlesen!«. Wenn der das sagt…

Wenn mich nicht alles täuscht, ist das Buch herausgekommen als uns Joschka schon „Ex“ war. Trotzdem stelle ich mir gerade vor, wie er, auf dem Flug zum Ex-US-Präsidenten, den Leuten im Cockpit zu verstehen gibt noch ein paar Runden über dem Weißen Haus zu drehen, weil er den Roman jetzt unmöglich außer Hand legen kann.

Jetzt aber zum Roman: Er ist leicht zu lesen, dabei nicht „flach“, streckenweise auch spannend - kurz: Der Roman ist sehr unterhaltsam.

Klingt nicht nach einer Lobeshymne? Nun, das war eine mehr feststellende als eine wertende Schilderung (sofern so etwas überhaupt möglich ist).

Für den Humor in dem Roman sorgt ein gewisser Fermín Romero Torres. Obwohl ihm das Leben arg zusetzt (oder gerade deshalb), ist er voller Liebe, tiefer Weisheit und immer humorvoll. Für seinen Freund Daniel, einem der beiden Protagonisten, ist er bereit alles zu tun. Besonders gern erteilt er ihm Lektionen über die „Geheimnisse der Liebesverstrickungen“.

Mit dem Liebeswerben ist es wie mit dem Tango; absurd und nichts als Fiorituren. […] Die Frauen sind, mit bemerkenswerten Ausnahmen wie Deine Nachbarin, die Merceditas, intelligenter als wir - oder wenigstens ehrlicher mit sich selbst bezüglich dessen, was sie wollen oder nicht. Etwas anderes ist es, ob sie es einem oder der Welt auch mitteilen. Du hast es mit dem Rätsel der Natur zu tun. Das Weib, Babel und Labyrinth. Wenn Du Frau denken lässt, bist Du verloren. Erinnere Dich: heißes Herz, kühler Verstand. Der Kodex des Verführens.

Das Schicksal lauert immer gleich um die Ecke - wie ein Dieb, eine Nutte oder ein Losverkäufer, seinen drei trivialsten Verkörperungen. Hausbesuche macht es hingegen keine. Man muß sich schon zu ihm bemühen.

Das Schicksal macht keine Hausbesuche. Klasse! Ich mag es, wenn Dialoge ganz nebenbei mit Lebensweisheiten bestückt werden.

Der Tor spricht, der Feige schweigt, der Weise hört zu.

Der Schatten des Windes - ein klassischer Schmöker.

[1] Eine recht ausführliche Kurzfassung über die Handlung des Romans ist bei de.wikipedia.org zu lesen. Hier noch der passende Link zu amazon.de.

[Aktualisiert - einige Stunden später] Der Roman „Der Schatten des Windes“ erinnert an das Buch „Nachtzug nach Lissabon“. In beiden Romanen ist ein Buch die „Radnabe“ der Handlung. In beiden Werken versuchen die Protagonisten mehr über den Autor des jeweiligen Buches herauszufinden. Dadurch entwickelt sich in den Romanen nach und nach eine Parallel-Geschichte, die das Wirken der Autoren als Grundlage hat. Das ist aber auch schon alles, worin sich die Romane gleichen.