Das Schiff im Noor

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Ein kleines, aus einer Nussschale  gebastelte
Schiff

… heißt heute „Die Instrumente des Herrn Jørgensen“ und ist ein Roman von Georg Jonathan und Richard David Precht. Richtig! Letzterer ist auch der Autor von „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ (wir berichteten).

Wer das Buch kaufen möchte weil er gerne Kriminalgeschichten liest, der sollte wissen, das Buch ist so elektrisierend wie mein sonntägliches Frühstück – es ist schön und es ist entspannend. Ein Nervenkitzeln erzeugt der Roman indessen nicht, es sei denn, man fühlt sich von dem erzählerischen Stil der Autoren genervt.

Kurzfassung: 570 Seiten angenehmes Geplätschere – fast wie Aquarium gucken. Dabei ist der Roman nicht langweilig. Er ist auf seine Weise erholsam wie ein kleiner, kurzweiliger Urlaub.

Für den Kriminalassistenten Ansgar Jørgensen aus Kopenhagen, dem Protagonisten, ist der Aufenthalt auf Lilleø auch fast so etwas. Er ist Teilnehmer einer sozialtechnischen Assimilationsschulung zur Stärkung der Orientierungsleistung wahrnehmungsgeographischer Akkommodationsprozesse. Sein Schulungsort: Wie gesagt, Lilleø – eine kleine dänische Insel in der Ostsee. Sechs Monate wird er dort seinen Kollegen vor Ort, Malte Hansen, der bei der Ankunft Jørgensens genau 63 Jahre und 10 Monate alt ist, „unterstützen“ …

Der Schreibstil, mit dem die Autoren diesen Roman tragen lassen, hat etwas warmherziges, einfühlsames. Fast zärtlich werden selbst grobgeschnitzte Charaktere dargestellt, sodass die für Kriminalromane eigentlich typische Eigenart, das Polarisierende, fast vollständig fehlt. Was dagegen nicht fehlt, ist der Humor. Allerdings haben ihn die Autoren sehr subtil zwischen ihren Sätzen eingeflochten.

Fazit: Eine Kriminalgeschichte, die weniger wie ein Fisherman´s Friend, sondern mehr wie ein Werthers Echte „schmeckt“.