Das Licht von drüben

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Eine kleine Kirchentür bei nächtlicher Beleuchtung, davor die Zweige
eines
Baumes.

Er wollte den Hörer schon auflegen. Doch dann nahm doch jemand ab. »Ja, Hallo?«, ihre Stimme klang, als sei sie sehr müde. »Ich bin´s, störe ich, hast Du schon geschlafen?« »Nein, nein. Ich liege auf dem Sofa und lese. Schön Dich zu hören.« »Darf ich gleich mit der Tür ins Haus fallen?«, fragte er. »Klar, schieß los.«

»Glaubst Du an ein Leben nach dem Tod?« »Gute Güte, Du verschwendest aber wirklich keine Zeit. Warum ist Dir meine Antwort so wichtig?« »Nun, Du bist Ärztin, stehst viele Stunden an dem OP-Tisch und erlebst auch oft, wie Menschen sterben.« »Ja, leider.« »Und - glaubst Du an ein Leben nach dem Tod?«

»Ja, daran glaube ich. Ich will daran glauben. Weil ich meine Mutter wieder sehen möchte. Sie war eine ganz tolle Mutter und ist viel zu früh gestorben. Außerdem: Warum sollte plötzlich alles vorbei sein - einfach so?«

Er lachte. »Deine fast trotzige Antwort erinnert mich an das Buch „Die dritte Simulation“«, sagte er mehr zu sich selbst. Er hielt kurz inne. »Ich denke, die meisten Menschen die an ein Leben nach dem Tod glauben tun das, weil es vielmehr ihr Wunsch als ihr Glaube ist.«, fuhr er fort.

»Ja, das ist ein Grund. Vielen, wie mir, fällt es aber auch schwer, einzusehen, dass alles endlich sein soll.« »Geht mir auch so«, gestand er.

»Hast Du eigentlich mal reanimierte Patienten gesprochen, die Nahtod-Erlebnisse hatten?« bohrte er dann weiter. »Direkt nicht. Ich habe mal Kollegen von solchen Gesprächen erzählen gehört.«

»Glaubst Du diesen Geschichten von dem hellen, unglaublich schönen Licht?« »Nun, spannend ist doch, wie viele Übereinstimmungen es bei den Erzählungen gibt. Und ich kann mir nicht vorstellen, wie diese Menschen sich abgesprochen haben sollten. Oder was meinst Du?« »Oh, ich finde diese Berichte absolut faszinierend. Vor etlichen Jahren habe ich auch mal Bücher darüber gelesen. Vielleicht kennst Du sie ja: „Leben nach dem Tod“ und „Das Licht von Drüben“ von Raymond A. Moody.« »Nein, die Bücher sind mir nicht bekannt. Aber nun sag´ mir endlich, warum Du jetzt auf das Thema kommst?«, insistierte sie.

»Vorhin habe ich zufällig einen längen Zeitungsartikel darüber gelesen. Darin berichtete der Dirigent George Alexander Albrecht über seine Nahtod-Erfahrungen. Und wie ich die Zeitung so beiseite lege kam mir der Gedanke:

Man sagt doch, dass wir große Bereiche unseres Gehirns gar nicht ausnutzen. Könnte es sein: Dass wir diese Bereiche im Todes-Stress doch erreichen können? Das unser Geist regelrecht dort hinein flüchtet oder vielleicht hinein gedrängt wird, so als Reaktion? Das wir dann in der Lage sind unseren Astralkörper zu sehen?

Es könnte doch sein, dass all die Nahtod-Berichte eigentlich Erfahrungen mit den für gewöhnlich unerschlossenen Bereichen des Gehirns sind. Das würde auch die individuellen Aspekte dieser Berichte erklären.

Vielleicht sind wir ja alle glückliche Menschen und nur die Beschränktheit unseres geistigen Territoriums macht uns so menschlich…«