Auf dem Weg zur Arbeit

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Bäume mit dem maigrünen
Blättern

Freitag gegen 7.00 Uhr. Ich will zur Arbeit. Draußen ist es dunkel, kalt und a-absolut-glatt. Schlurfend, schliddernd hole ich Salz aus der Garage und “würze” damit den Gehweg vor meinem Grundstück.

Mich nervt das. Denn ich denke an die Pflanzen, denen das nicht unbedingt bekommt.

Ich mache mich auf den Weg. Nicht alle haben den Gehweg vor ihrem Haus gestreut. Ein Zebrastreifen aus glatt und stumpf. Gefährlich. Vor allem für ältere Leutchens. Für sie habe ich gestreut, für alle, die nicht mehr so gut zu Fuß sind.

Sind es gerade die, die es in den warmen Monaten so gut mit ihrem Garten, mit dem Dünger und den Pflanzenschutzmitteln meinen - die es aber jetzt, in den Wintermonaten, mit dem Streu- und Räumdienst vor ihrem Haus nicht so ernst nehmen? Manchmal habe ich den Eindruck.

Ich denke an die Tonnen von Dünger und vorbeugenden Pflanzenschutzmittel, die in ein paar Monaten wieder auf oder an die Rasenflächen, Blumenbeete, Sträucher und Bäume gekippt und gespritzt werden. Doping für den Garten. Er soll strotzen vor Glanz. Und keine *Un*Pflanze und kein *Un*Tier darf überleben. *Über*Dosierung? *Un*interessant. Die Luft, das Grundwasser ist doch meistens *un*sichtbar.

Ein paar Meter weiter. Wieder ein “laufendes” Auto mit einem freien Sitzplatz hinter dem Lenkrad. Derweil kratzt jemand das Eis von den Scheiben jenes Autos und steht dabei im Abgasnebel. Ich halte eine Weile die Luft an.

Ein Auto fährt an mir vorbei. »Ach er«, denke ich, »Moin«, rufe ich ihm im Stillen nach. Warum fährt der eigentlich mit dem Auto? Der hat doch noch einen kürzeren Arbeitsweg als ich.

Ich grübele über die Wahl der Fortbewegungsmittel und das Klima nach und bin mal wieder sauer. Fast gleichzeitig frage ich mich, bin ich zu intolerant? Fehlt es mir an Gelassenheit?