Wie man es macht

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So!

»Das war jetzt schon der 42. Anrufer! Was war da bloß los?«, fragte er seinen Kollegen. In der Polizeistation ging es seit dem späten Vormittag chaotisch zu. Manche der Anrufer waren völlig verängstigt. Einige sprachen sogar von Weltuntergang. Andere waren fasziniert, wollten aber eine Erklärung. ›Doch die kann bislang wohl keiner geben‹, dachte er. Denn alle berichteten von merkwürdigen Lichterscheinungen oder auch UFO´s, die sie morgens gesehen hatten.

»Na, hör´mal, wenn jemand Geburtstag hat, schenkt man ihm doch was. Erst recht, wenn er einen runden Geburtstag feiert. Das macht man doch so.«

›Bleib ruhig‹, forderte sie sich auf und atmete dabei tief durch. »Jemand?«, sie flüsterte fast, »Weil Nelson Mandela kürzlich seinen 90. Geburtstag gefeiert hat, hast Du ihm etwas geschenkt - ja? Erst recht, weil er einen runden Geburtstag hatte - ja? Heißt das, dass man bei einem eckigen Geburtstag doch nicht unbedingt etwas schenken…«

»Hey, komm´ mal wieder runter!«, unterbrach er sie schroff. Er war jetzt auch genervt. »Deine Haarspaltereien gehen mir auf die Nüsse. Bringst Du etwa kein Geschenk mit, wenn Du zu einer Geburtstagsfeier gehst? Ladest Du niemanden ein, wenn Du Geburtstag hast?«

»Na klar, dann lade ich alle ein, die ich kenne!« Ihre Stimme vibrierte vor Wut. »Auch die Kassiererin vom Einkaufsmarkt um die Ecke, weil ich die einmal in der Woche sehe. Besser ich lade zu viel, als zu wenige ein. Und bloß nicht weniger Bohei machen als die Anderen. Ein Riesenrad im Garten beim dritten Geburtstag der Kleinen muss doch wohl drin liegen.«

»Hey, ich will dass die Leute Spaß auf meiner Geburtstagsfeier haben!«

Sie war kurz vor dem Explodieren. »Ahh, toll! Erst müssen die Leute kommen - ein Nein wird nicht toleriert, weil man das nicht sagt - und dann haben sie gefälligst auch noch Spass zu haben. Man darf sich selbst beweihräuchern, lästern oder am besten viel dummes Zeugs blubbern - aber bloß nicht nachdenklich, unlustig sein.«

»Eine Party ist erst gut«, spottete sie weiter, »wenn sich alle so betanken, dass sie mit dem Sprit auch bis nach Sizilien fahren könnten. Weil: Das macht man doch so. Oh Gott, was für ein Satz. Das ist eine geistige Bankrotterklärung!« Jetzt kreischte sie fast. »Wer so etwas sagt, der hat auf dem Dachboden das Licht ausgemacht! Vermutlich gibt es dort auch nichts zu entdecken.«

»Ich glaube ich gehe jetzt. Den Ton den Du hier anschlägst, finde ich widerlich.«

»Weißt Du, was ich widerlich finde?«, grätschte sie ihm erneut ins Wort, »Leute die so eingebildet, so jovial daher quatschen, aber sich selbst nur vom großen Strom MAN treiben lassen. Menschen, die nie ihr alltägliches Handeln nach dem Sinn oder Widersinn abklopfen. Oder wenn sie es tun, sofort damit aufhören, wenn das Ergebnis dem Tun der Anderen, der Nachbarn, der Kollegen, der Freunde widerspricht. Weil sie Angst haben, anzuecken. Weil sie dann möglicherweise wie Außerirdische behandelt werden. Es ist ja auch so viel einfacher zu sagen - das macht man doch so.«

Auch in der Redaktion der Lokalzeitung war die Hölle los. Endlich hatte sie mit einem Augenzeugen einen Termin vereinbaren können. Er wollte sich abends mit ihr an dem Ort treffen, an dem er die geheimnisvollen Lichter gesehen hatte.

›So´n Mist‹, ging es ihr durch den Kopf, ›eigentlich müsste ich zur Ratssitzung. Zwei der Tagesordnungspunkte waren zuvor in meinem Ausschuss beraten worden. Als Vorsitzende des Fachausschusses sollte ich im Rat eine Stellungnahme abgeben. Und dann morgen Früh gleich dieses Treffen, an dem ich als stellvertretende Bürgermeisterin teilnehmen soll.‹

Während sie noch versuchte die Termine zu koordinieren, krachte ihr ein weiterer Gedanke wie ein Meteorit in ihre Grübeleien. ›Mein Mann hat heute Geburtstag!‹ - sein 42.