Gedanken - wer mit wem?

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Ahorn

Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen und Urteile über die Dinge [1].

Diese Aussage ist von Epiktet, einem griechischen Philosoph. Als ich den Satz gestern zufällig mal wieder gelesen habe, erinnerte ich mich an einem Vortrag, den ich vor längerer Zeit gehört habe. Das Thema des Vortrages war: “Friedvolle Kommunikation” [2]. Ein Beispiel:

Der Vater hatte seiner 15 Jahre alten Tochter erlaubt, ein Konzert zu besuchen. Sie vereinbarten, dass er sie und ihre zwei Freundinnen um 23.30 Uhr vom Bahnhof abholt. Es ist 23.40 Uhr und der Zug, mit dem sie hätten kommen müssen, ist längst durch. Mit dem Mobil-Telefon erreicht der Vater die Tochter nicht.

Die andere Szene: Die Tochter ist, wie ihre Freundinnen, unsterblich in den Sänger der Band “verliebt”. Das Konzert war klasse und die Freundinnen sind noch “berauscht” vor Glück, weil sie ihrem Idol so nahe sein konnten. Mit diesen Gefühlen im Bauch haben die Freundinnen sich “verplappert” und den Zug verpasst. Sie wollen es dem Vater mitteilen, doch sein Mobil-Telefon hat den “Geist aufgegeben”. Also nehmen sie den nächsten Zug und sind zwei Stunden später als vereinbart zu Haus.

Ausgangssituation ist: Der Vater stellt fest, die Mädchen sind nicht mit dem Zug um 23.30 Uhr gekommen. Das ist die Tatsache.

Doch der Vater wird vermutlich das nicht nur kurz feststellen und völlig unaufgeregt überlegen, was er nun tun kann. Er beginnt, die Situation zu bewerten:

  • Warum sind sie nicht gekommen, wo sind sie?

(Verunsicherung, Irritation)

  • Ich hätte dem nie zustimmen drüfen. Ich Trottel habe mich aber mal wieder von meiner Frau überreden lassen! Und das Kind, nie ist es zuverlässig! (Zweifel, Ärger)
  • Bestimmt haben die Mädchen Alkohol getrunken. Hoffentlich lassen sie sich nicht von so blöden Typen abschleppen. Was ist, wenn die Kerle aufdringlich werden?

(Sorgen, Ängste)

  • Wenn die nach Hause kommt… Ich fasse es nicht! Diese doofe Zicke! Warum muss sie sich immer so aufbretzeln? Warum kann die nie auf mich hören?

(Wut, Hass…)

So wie der Vater “drauf ist”, ist der Ärger vorprogrammiert. Die Tochter wird vermutlich “einiges” zu hören bekommen.

Es ist schon interessant mal zu beobachten, wie gern und wohin die Gedanken ohne eigenes zutun spazieren gehen. Richtig turbulent kann es werden, wenn die Gedanken von den Gefühlen aufgestachelt werden.

So empfahl der Referent, gerade in solchen Situationen achtsam zu sein. Es lohnt sich, sich dann bewusst zu machen: Was ist die Ausgangssituation, wie bewerte ich sie, was sind meine Gedanken, sind sie gerechtfertigt, bringen sie mich weiter, was ist zu tun…?

Oder kurz: Wer geht mit wem spazieren - die Gedanken mit mir oder ich mit ihnen?

*“Achte auf deine Gedanken! Sie sind der Anfang deiner Taten.”*Chinesisches Sprichwort

Quellen:

[1] Epiktet, Handbüchlein der Moral

Reclam-Verlag

[1] Siehe auch: “Epiktet - Das Handbuch der Moral” im Internetangebot der Universität-Rostock.

[2] Ein Vortrag von Andreas Vogel. Andreas Vogel ist Diplom Sozialpädagoge, Gewaltberater, Gewaltpädagoge und Konflikttrainer. Mehr Informationen über seine Arbeit unter: www.euline.net.